Innovation

Die ungewöhnlichen Wege der Ideen-Jäger


Kreative Denker haben bei Technoform Kunststoffprofile einen Stein im Brett

Lohfelden. Seit 36 Jahren arbeitet Hilmar Lier (63) als Verfahrensmechaniker bei Technoform Kunststoffprofile (TKP). In Sachen Material und Herstellung kennt er sich aus wie kaum ein anderer. Sein Chef will aber noch mehr von ihm – nämlich seine Ideen für die Zukunft.

Für die neuen Wege, die das 70 Mann starke Unternehmen aus Lohfelden bei Kassel in Sachen Kreativität geht, gab es kürzlich den Innovationspreis „Top 100“ für den Deutschen Mittelstand.

Bei TKP ist alles ein bisschen anders. Geschäftsführer Patrick Mueller sitzt zusammen mit allen Kollegen im Großraumbüro, das in die Produktion übergeht. Man versteht sich als Team – vom Auftragseingang über die Fertigung bis zum Verkauf.

Hand in Hand entstehen hier spezielle Profile für Fenster, Automobile, Anlagen und Flugzeuge. Der Markt dafür ist heiß umkämpft und verlangt nach Innovationen. „Man kann leider nicht sagen:  Leute, nun setzt euch mal hin und seid kreativ. Das funktioniert nicht“, sagt Mueller.

Chef krempelt Firma um

Deshalb ging er die Sache professionell an, stellte eine Idee-Managerin ein und krempelte die Firma um.

Jetzt gibt es für die Belegschaft eine gemütliche Kuschelecke mit blauen Sesseln und Kamin, flexible Arbeitsplätze mit Laptops statt Standcomputer, eine Bibliothek, einen großen Fernseher in der Pausenzone, sogar aktives Golfen via Konsole ist erlaubt.

Da spielt Verfahrensmechaniker Thorsten Donner gerne mal eine Runde. Ist das nicht peinlich, wenn der Chef vorbeikommt? „Nö, gar nicht. Der macht sogar manchmal mit“, sagt Donner.

Sein Kollege Lier lächelt. Obwohl er sonst neuen Ideen gegenüber sehr aufgeschlossen ist, reizt ihn das Golfen gar nicht. Seine Sache ist eher die betriebseigene Küche, wo man sich mal eben „Chili con Carne“ kochen kann.

Regelmäßig nimmt er an den Kreativ-Sitzungen teil, oft mehrmals pro Woche. Dort nutzt er neben seinem Verstand durchaus Legosteine und Knete zur Inspiration. „Auf neue, richtig gute Ideen kommt man nur im Team“, davon ist der „alte Hase“ überzeugt.

Dicker Fisch zappelt an der Angel

Tausende von Einfällen haben die Kollegen, brillante wie kuriose. Wie bewertet man all diese Vorschläge? „Dafür haben wir ein eigenes System entwickelt“, erklärt Mueller. Vom freien Fantasieren war er ganz schnell weg: „Um gute Visionen zu entwickeln, braucht man einen Korridor mit festgelegten Kriterien wie Kosten, Machbarkeit und Zielmärkten. Sonst ertrinkt man in einer Flut ungeordneter Kreativität.“

Jeder Vorschlag muss mehrere Hürden nehmen, bis er am Ende auf dem Schreibtisch des Chefs landet. Ein harter Weg, das schaffen nur drei Stück pro Jahr. „Diese Ideen sind aber richtig fette Fische“, findet Mueller. Müssen sie auch. Denn die neue Kreativität ist ein teurer Spaß: Gut 1 Million Euro hat die Umstellung gekostet, bei einem Jahresumsatz von rund 10 Millionen kein Pappenstiel.

Doch es zahlt sich aus: Die erste Idee ist bereits realisiert und soll bald erste Gewinne einfahren. Was für ein „Fisch“ er da an der Angel hat, will Mueller allerdings nicht ver-raten. Er lässt uns einfach zappeln ...

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