Perspektive für Ungelernte

Die Teilqualifizierung eröffnet ODU-Mitarbeitern neue Chancen

Selbstbewusst: Melanie Kastner ist Teamleiterin im Versand von ODU. Foto: Schulz

München/Mühldorf. „Unterricht und Lernen? Damit hatte ich eigentlich längst abgeschlossen“, sagt Melanie Kastner (29). Sie fing vor zehn Jahren als gelernte Konditorei-Fachverkäuferin und Zeitarbeiterin im Versand der Firma ODU an, einem Hersteller von Steckverbindungen im oberbayerischen Mühldorf. Und nun hat sie dort trotzdem eine Weiterbildung begonnen. Zur Logistikmeisterin.

Angefangen hat alles im vergangenen Jahr. Da hat die erfolgreiche Spätstarterin in Sachen Bildung ihre Chance genutzt – im Rahmen sogenannter Teilqualifizierungen. Die schloss sie 2015 als Fachkraft für Lagerlogistik ab. „Fachkräfte werden dringender gebraucht als Ungelernte und können auch nicht so einfach ersetzt werden“, vermutet sie.

In der Tat: Für Un- und Angelernte ist es schwerer als noch vor Jahren, ihre Plätze in der Industrie zu finden und zu verteidigen. Einfache Tätigkeiten sind naturgemäß leichter ins günstigere Ausland zu verlagern oder durch Maschinen zu ersetzen. Die Arbeitslosenquote in Deutschland ist bei Menschen ohne berufliche oder akademische Ausbildung auch deshalb mittlerweile fünfmal höher als bei denen mit Abschluss.

Mitarbeiter tun gut daran, ihre Chancen im eigenen Betrieb und auf dem Arbeitsmarkt mit einem Berufsabschluss zu verbessern. Dabei hilft die Teilqualifizierung. Sie erlaubt, eine Ausbildung auf einzelne, in sich abgeschlossene Module aufzuteilen. Das ermöglicht die gezielte Weiterbildung in einzelnen Bereichen.

Wer alle Bausteine absolviert und seine Abschlussprüfung schafft, erwirbt einen vollwertigen Berufsabschluss. Mehr als 14.000 Mitarbeiter bayerischer Firmen haben in den vergangenen acht Jahren eine Teilqualifizierung absolviert.

Unternehmen profitieren von dem Instrument, mit dem sie ihre Beschäftigten schnell und flexibel qualifizieren können. So auch ODU. Dort haben sich mittlerweile mehr als 30 Mitarbeiter per Teilqualifizierung weitergebildet. Und alle hatten am Ende einen Berufsabschluss in der Tasche, etwa als Fachkraft für Lagerlogistik wie Mitarbeiterin Kastner oder als Maschinen- und Anlagenführer.

„Die intensive Weiterbildung unserer ungelernten Mitarbeiter ist extrem wichtig“, sagt ODU-Ausbildungsleiterin Anna Edmaier. Zum Beispiel in der Montage: Wo bis vor ein paar Jahren noch vieles per Hand erledigt worden ist, wird zunehmend automatisiert. Angelernte Helfer werden immer weniger gebraucht. Fachkräfte, die Maschinen bedienen können, umso mehr. „Nur Fachkräfte können sich sehr schnell an vielen verschiedenen Maschinen einarbeiten und sind deshalb viel flexibler einsetzbar“, sagt Edmaier.

Zudem seien sie in der Lage, Produktionsanlagen einzurichten, zu rüsten und kleine Service-Tätigkeiten zu übernehmen. „Wir waren überrascht, wie schnell und gut unsere Leute ihre neuen Aufgaben erledigen“, so die Ausbildungsleiterin.

Und das gilt neben der Montage auch für den Versand. Logistik-Fachkraft Kastner etwa kann ihre Funktion als Teamleiterin nun besser ausfüllen. „Wenn früher etwas unklar war, musste ich oft Vorgesetzte fragen oder im Internet nachschauen“, erzählt sie. „Heute entscheide ich viel schneller – und selbst.“


Teilqualifizierung – die Fakten in Kürze:

  • Vielseitige Bildung: Für jeden Beruf gibt es fünf bis acht Module. Sie dauern einige Monate.
  • Volle Flexibilität: Die Module sind einzeln zu belegen und werden auch separat zertifiziert.
  • Berufsabschluss möglich: Wer alle Module eines Ausbildungsberufs absolviert, kann sich zur Kammerprüfung anmelden.

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