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Die Tantalum-Schmiede


Mersen: Weltmarktführer im Apparatebau aus seltenem Metall

Linsengericht. Spektakulär sieht er nicht gerade aus, der kleine Gesteinsbrocken aus Columbit. Doch er hat es in sich: denn in ihm sind Tantal und sein enger Begleiter Niob gebunden. Die beiden Metall-Exoten gehören zur Gruppe der seltenen Erden.

„Wer sie verarbeiten will, braucht ein Know-how, das neben uns nur wenige beherrschen“, sagt Stéphane Trefalt, Geschäftsführer von Mersen Deutschland Linsengericht, die modernste „Tantalum-Schmiede“ weltweit.

Das Schwermetall Tantal schmilzt erst bei einer Temperatur von 3.000 Grad Celsius, es lässt sich hauchdünn auswalzen und selbst Schwefel-, Salpeter- und Salzsäure können ihm nichts anhaben. Deshalb ist Tantal begehrt, ob in der Flugzeugtechnik, der Elektro-Industrie, dem Chemie-Apparatebau oder in der Medizin.

Wachstum eines Tumors gestoppt

„Ohne Tantal gäbe es keine Handys. Und wegen der Verwendung aggressiver Säuren im Herstellungsprozess könnten so manches Medikament und etliche Kunststoffe nicht produziert werden“, so Vertriebschef Martin Kudelko.

Mersen Chemical gehört zur französischen Aktiengesellschaft Mersen, vormals Carbone Lorraine, und beschäftigt am Standort Linsengericht 35 Mitarbeiter.

Das Unternehmen gilt als Weltmarktführer in der Konstruktion und Produktion von Bauteilen und Apparaten aus Tantal, darunter Wärmetauscher und Reaktoren. Auf besonderen Wunsch werden auch schon mal Rohlinge für Eheringe oder Uhrengehäuse aus Niob oder Tantal angefertigt.

„Für einen Tumorpatienten haben wir sogar mal eine kleine Scheibe hergestellt, die im Körper implantiert das weitere Wachstum des Tumors blockierte. Wir sind eben offen für alles und produzieren, was der Kunde bestellt“, so Kudelko.

Produziert wird in einer erst im vergangenen Jahr neu gebauten Halle. Hier stehen vier sieben Meter hohe Kräne bereit mit je zehn Tonnen Nutzlast. Dank eines drei Meter tiefen Arbeitsschachtes im Hallenboden können bis zu sieben Meter hohe Spezialapparate hergestellt werden.

Entscheidend ist bei all dem die hohe Kunst der Schweißer. Sie umhüllen die Stahlteile mit einer hauchdünnen Schicht aus Tantal.

Dabei sind Erfahrung, Knowhow, und Improvisationstalent gefragt. Jede noch so kleine, offene Stelle wird mit einer feinen Schweißnaht bei 3.000 Grad Celsius verschlossen.

Jedes Jahr eine Prüfung ablegen Peter Beck arbeitet seit 13 Jahren bei Mersen mit Tantal und ist stolz auf sein Können: „Um da hinzukommen, wo wir sind, braucht ein Top-Stahlschweißer Jahre zusätzlicher Ausbildung.“ Wie seine Kollegen muss Beck jedes Jahr beim TÜV eine Spezialprüfung ablegen. Arbeitsproben werden unter Extrembedingungen getestet.

Beck: „Wir dürfen keine Fehler machen, denn ein winziges Leck im Tantalmantel könnte später im laufenden Betrieb einer Anlage zu einer Katas­trophe führen – und das weiß hier jeder ganz genau.“

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