Energie-Effizienz

Die Stromspar-Straßenbahn


Durch Heidelberg rauschen die ersten Züge, die Brems-Energie zum Fahren nutzen

Mannheim. Wenn seine Straßenbahnen Geld sparen, findet er das super: Martin in der Beek, technischer Geschäftsführer der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH. Auf die neuen Heidelberger Bahnen ist er daher mächtig stolz. Er rechnet vor: „Pro Zug sparen wir jährlich 93.000 Kilowattstunden Strom.“ Das reicht, um 27 Haushalte in diesem Zeitraum zu versorgen.

Das Verkehrsunternehmen setzt als weltweit Erstes eine Technologie von Bombardier im Serienbetrieb ein. Kondensatoren auf dem Dach nehmen die Energie auf, die beim Bremsen entsteht. Beim Anfahren wird sie wieder genutzt.

Die Züge sparen damit bis zu 30 Prozent der zum Fahren erforderlichen Energie und kommen zeitweise ohne Oberleitung aus. Herz der Technologie ist der sogenannte „Energy Saver“, der im Bombardier-Werk in Mannheim erfunden wurde.

Dort entwickeln und produzieren rund 900 Beschäftigte elektrische Antriebssysteme für Bahnen. „Es ist unsere Aufgabe, in die Zukunft zu denken“, sagt Manfred Zengerle, der stellvertretende Entwicklungsleiter.

Jahrelange Forschung zahlt sich aus

Ende 2009 traten die ersten sechs Bahnen mit Energy Saver in Heidelberg ihren Dienst an. Bis Ende 2010 werden es 19 sein, die im gesamten Rhein-Neckar-Dreieck unterwegs sind.

Durch ein Uni-Viertel, wo neue Strecken geplant sind, werden sie teilweise ohne Oberleitung fahren. Raffiniert: So wird vermieden, dass elektrische Felder die Messgeräte der Forschungseinrichtungen stören.

„Fünf bis zehn Erfindungen kommen jedes Jahr aus unserem Werk“, sagt Zengerle. Bis zur Marktreife vergeht oft viel Zeit. Am Energy Saver hat das Unternehmen zwölf Jahre gearbeitet. Langfristig aber zahlen sich die meisten Patente aus. So hat Bombardier 1969 die „Drehstromtechnik“ für Lokomotiven erfunden. Heute ist diese Technik Standard, die den Betrieb sowohl in Gleichstrom- wie in Wechselstromnetzen ermöglicht.

70 Prozent der Antriebslösungen aus Mannheim landen in Schienenfahrzeugen von Bombardier – davon gibt es rund um den Globus derzeit mehr als 100.000.

Pilotstrecke in Augsburg

In Zukunft werden viele Straßenbahnen ganz ohne Oberleitungen fahren, verrät Werkleiter Steffen Doll. Der Strom kommt aus einem unterirdischen Magnetfeld. Derzeit baut Bombardier eine Pilotstrecke in Augsburg – „sie ist voraussichtlich bis Ende 2010 fertig“, so Doll. Weil solche Projekte eine lange Laufzeit haben, kann er die Kapazitäten weit voraus planen. Daher ist das Unternehmen bisher ohne Entlassungen durch die Krise gekommen.

Damit die Arbeitsplätze auch künftig sicher sind, ist höchste Produktivität ein Muss. „Wir kämpfen schon mit den Lohnstrukturen in Deutschland“, betont Doll, der das Werk seit Anfang des Jahres leitet. „Aber wenn man es intelligent macht, kann man hier produzieren, und das ist für mich auch eine persönliche Herausforderung.“

Barbara Auer

Neuer Rekord

Mit so wenig „Primär-Energieträgern“ wie im vergangenen Jahr ist Deutschland zuletzt vor 40 Jahren ausgekommen. Der Verbrauch von Mineralöl, Kohle & Co. ist im gesamten Bundesgebiet um 6 Prozent zurückgegangen und damit sogar etwas stärker als die Wirtschaftsleistung (5 Prozent).

Das ist nicht nur auf die Krise zurückzuführen. Wir kommen mit immer weniger Energie immer weiter, dazu tragen viele Innovationen und Ideen der Metall- und Elektro-Industrie bei. Laut Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen mit Sitz in Berlin ist die „Energie-Produktivität“ hierzulande seit 1990 um 41 Prozent gestiegen. Diese Kennzahl drückt aus, wie viel mit einer Energie-Einheit produziert werden kann.

BA

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