Auto-Zulieferer

„Die Stromkosten sind entscheidend“


Produktion im Hammerwerk benötigt riesige Mengen Energie

Fridingen. Ohrenbetäubender Lärm, rauchige Luft und glühender Stahl: Industrie wie vor 100 Jahren – so scheint es. Doch das Hammerwerk in Fridingen ist hochmodern. Zwar stehen auch heute noch Männer an den Schmiedepressen und transportieren die heißen Teile von Station zu Station. Die Temperatur regelt jedoch ein elektronisch gesteuerter Induktionsofen.

Stahl wird hier nicht verflüssigt, sondern bei Temperaturen zwischen 1.200 und 1.300 Grad Celsius umgeformt. Der ganze Produktionsprozess benötigt große Mengen an Energie. Im vergangenen Jahr waren es rund 40 Millionen Kilowattstunden Strom und noch einmal die gleiche Menge an Gas.

Teure Umlage für Erneuerbare

„Damit könnte man eine Kleinstadt mit 15.000 Einwohnern komplett versorgen“, sagt der Geschäftsführer Holger Müller. Die Abhängigkeit von den Energiepreisen macht ihm Sorgen: „In der Zulieferer-Branche liegen die Umsatzrenditen bei durchschnittlich 3 bis 5 Prozent. Da sind die Stromkosten entscheidend.“

Was aus dem Hammerwerk herauskommt, muss großen Belastungen standhalten. Etwa die Hälfte der Produktion geht in die Fahrzeug-Industrie: beispielsweise Zahnräder für Lkw-Getriebe sowie Antriebswellen und Achsteile für schwere Lastwagen und Pkws. Die gesamte Tagesproduktion liegt bei rund 200 Tonnen.

Passgenau und haltbar muss alles sein. Dafür werden die Schmiedeteile nach dem Formen zusätzlich mit Gas wärmebehandelt, damit die gewünschten Materialeigenschaften erreicht werden. Danach säubert der Sandstrahler die Oberfläche. In der Endfertigung und Kontrolle werden die Teile noch einmal überprüft.

Mit jährlich 6 bis 7 Millionen Euro schlagen die Stromkosten im Hammerwerk zu Buche – schweres Gepäck für den Mittelständler mit einem Umsatz von rund 100 Millionen Euro. Und der Trend bei den Stromkosten geht nach oben.

Preistreibend wirkt unter anderem die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien. Der Anstieg seit 2009 von 1,13 auf 3,59 Cent pro Kilowattstunde macht die Produktion um rund 1 Million Euro teurer.

Zwar können Großverbraucher fast komplett von der Ökostrom-Umlage entlastet werden. Dafür müssen jedoch die Energiekosten bisher mindestens 15 Prozent der Wertschöpfung (Umsatz minus Material- und Energiekosten) erreichen, was eine hohe Hürde darstellt.

Unternehmen hofft auf Ausnahme-Regelung

Doch Müller ist jetzt optimistisch: Anfang 2012 sank diese Grenze auf 14 Prozent: „Wir hoffen, dass wir dieses Jahr unter diese Regelung fallen und entlastet werden. Für unser Unternehmen hat das schon fast existenzielle Bedeutung.“

Mit einem stetigen Wachstum konnte das Hammerwerk die sinkenden Margen bisher wettmachen. In den letzten zehn Jahren hat sich der Umsatz verdoppelt. Die Zahl der Mitarbeiter kletterte von 400 auf knapp 500. Energie bleibt ein Thema, gerade in Zeiten wachsender Produktion. Auch in diesem Jahr soll der Umsatz steigen.

 

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