Mittelstand

„Die Stimmung ist viel besser geworden“


Pleiger Kunststoff: Das gute Verhältnis zur Belegschaft hilft in der Krise

Witten. Ein AKTIV-Reportagefoto muss mitunter schnell gehen. „Das Ding ist heiß“, sagt Alexander Dautz angesichts der metallischen Gießform in seinen Händen. Die Temperatur ist bei dieser Fertigung extrem wichtig, die Form muss auf 100 Grad vorgeheizt sein, der Gießtisch darunter ist eine Art Warmhalteplatte. Der Hochleistungskunststoff „Vulkollan“, der gleich in die Form fließen wird, hat sogar 120 Grad.

Die Produktion von Rädern oder Rollen aus Vulkollan ist energie- und somit kostenintensiv. Kein Wunder, dass man bei der Pleiger Kunststoff GmbH in Witten (Nordrhein-Westfalen) die Krise früh spürte. Die Aufträge brachen 2009 um ein Drittel ein.

Mehr Flexibilität musste her. So steuert man die Heizvorgänge der Tische nun über Zeitschaltuhren, das spart ein Fünftel der Energie. Hinzu kam die Kurzarbeit. Für Dautz und seine Kollegen blieben die Gießanlagen oft einige Tage in der Woche kalt. „Ehrlich gesagt“, meint er, „hatte ich da schon einige Male ein mulmiges Gefühl, wie es weitergeht.“

Für viele so etwas wie die zweite Familie

Seit vier Jahren ist Dautz bei Pleiger Kunststoff. Kürzlich ist er wieder Vater geworden. „Ich habe an die Firma geglaubt, sie hat in der Region einen guten Ruf.“ In der Tat hat man die Krise bisher relativ gut überstanden. „Das haben wir auch dem guten Verhältnis zu unserer Belegschaft zu verdanken“, sagt Geschäftsführer Stefan Kump.

Für viele ist Pleiger so etwas wie die zweite Familie, sie sind hier seit Jahrzehnten. Etwa Carlos Garrido, der an der Spritzgussmaschine arbeitet und vor 27 Jahren bei Pleiger begann. Oder der Industriemeister Bernd Mack (50): „Ich habe hier nach der Schule Maschinenschlosser gelernt.“

Damals war die Kunststoff-Produktion rechtlich noch nicht selbstständig, sondern Teil der Paul Pleiger Maschinenfabrik. Der Firmengründer hatte in den 1950er-Jahren er­kannt, welche Zu­kunft in der Kunststoff-Fertigung liegt. Als eines der ersten erhielt Pleiger vom Vulkollan-Erfinder, der Bayer AG, die Lizenz, um diesen Kunststoff industriell zu verarbeiten.

Gegossen, geschäumt, gepresst oder spritzgegossen sind die Produkte selbst bei höchster Belastung sehr strapazierfähig. Geschäftsführer Kump: „So etwas gehört zu unseren Spezialitäten. Das können in Deutschland nur wenige.“ Wenn etwa Glasscheiben sicher transportiert werden sollen, bedarf es spezieller Sauger aus wasservernetztem Vulkollan.

Konjunktur zieht wieder an

Auch wenn ein Fahrstuhl von Auffangpuffern gedämpft werden muss, zeigen die Produkte ihre Stärke. Die Kunden kommen aus dem Anlagen- oder Maschinenbau, der Oberflächen- oder Fördertechnik.

Inzwischen zieht die Konjunktur wieder an. Alexander Dautz spürt es an seiner Gießanlage Tag für Tag. „Die Stimmung ist auch unter den Kollegen schon wieder viel besser geworden.“

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