Löseke fertigt Beutel für alle gängigen Sauger

Die Staubsauger-Spezialisten


Hildesheim. Was andere nur zu Hause machen, gehört für Oliver Morawetz auch am Arbeitsplatz fest dazu: staubsaugen! Er arbeitet in der Entwicklungsabteilung des Unternehmens Arwed Löseke im niedersächsischen Hildesheim – und damit bei Europas größtem konzernunabhängigen Hersteller von Staubsaugerbeuteln.

Im Flur des Entwicklungszen­trums stehen die Staubsauger dicht an dicht, in allen Ausführungen und Farben, nach den Herstellernamen sortiert. Es gibt kaum eine Marke, die hier nicht zu finden ist. An der Wand darüber hängen die passenden Beutel. Und das ist nur ein kleiner Teil der Modelle, die das Unternehmen im Haus hat: Es sind nur die Sauger, die gerade getestet werden oder für die ein neuer Beutel entwickelt wird. „Im Lager haben wir noch viel mehr Geräte“, verrät Morawetz.

50 Kilo Staub fasst der größte Sack

Zu Testzwecken bringen Morawetz und seine Kollegen in einem abgeschirmten Raum gezielt Beutel zum Platzen – vom kleinen Tütchen mit ein paar Hundert Gramm Fassungsvermögen bis zum großen Sack, der 50 Kilo aufnehmen kann.

Statt gewöhnlichen Hausstaub blasen Morawetz und seine Kollegen Mehl oder Zement fein dosiert in die Beutel. Dabei untersuchen sie unter anderem, ob die Luft gut entweichen kann, ab wann die Poren der Beutel verstopfen oder die Leistung des Saugers nachlässt und wann das Fassungsvermögen erreicht ist. „Aufbauend auf solchen Informationen arbeiten wir dann an weiteren Verbesserungen“, schildert Morawetz.

Staubsaugerbeutel laufen im Hildesheimer Betrieb seit fast 50 Jahren vom Band. Gegründet wurde das Unternehmen aber schon viel früher, 1883, als Papier verarbeitender Betrieb für flexible Verpackungsmittel. Schon bald spezialisierte man sich auf „Blockbodenbeutel“ – Tüten mit einem rechteckigen Boden zum Aufstellen. Geschäftsführerin Ariane Löseke erklärt: „Das ist eine geniale Verpackung zum Beispiel für Plätzchen, Kaffee, Tee, Müsli und Bonbons, die den Inhalt je nach Verarbeitung sogar aromasicher aufbewahrt.“

Früher ging es da um einfachste Flexodrucke – inzwischen produziert Löseke anspruchsvolle Verbunde in bis zu zehn Farben im Tief- und Flexodruck. Die Beutel und Automatenrollen werden fast ausschließlich an die Lebensmittel-Industrie geliefert.

In den 70er-Jahren kamen dann die Staubsaugerbeutel hinzu: „Sie passen perfekt in unser Sortiment“, sagt Löseke, „denn Blockbodenbeutel sind auch ideal, um Staub aufzunehmen. Er bleibt darin bis zur Mülltonne sicher und hygienisch verpackt.“

Pro Jahr werden nun Millionen von Staubsaugerbeuteln produziert. Jeder wird exakt auf den vorgesehenen Platz im Sauger zugeschnitten.

Besonders knifflig: Die angesaugte Luft muss durch den Beutel entweichen – die aufgenommenen Staubteilchen sollen aber drinbleiben ... Das Spezialfiltrationspapier, das die nötigen Eigenschaften hat, wird inzwischen zunehmend verdrängt durch vollsynthetische Materialien. „Die Poren verstopfen damit deutlich langsamer“, erläutert die Firmenchefin, „und da der Kunststoff nicht so schnell reißt, eröffnen sich ganz neue Verarbeitungsmöglichkeiten.“

Neue Herausforderung: Die EU-Verordnung zum Stromverbrauch der Geräte

Mit allen seinen Produkten wird das Traditionsunternehmen, das 230 Menschen Arbeit gibt, dieses Jahr rund 35 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. Zuletzt hat die Firma kräftig investiert und die komplette Produktion technisch auf den neuesten Stand gebracht. Ariane Löseke und der kaufmännische Leiter Achim Wolfram fühlen sich denn auch für die Zukunft „gut gerüstet“.

Und diese Zukunft hält neue Herausforderungen parat: Die EU-Kommission hat nämlich Vorgaben zur Energieeffizienz von Staubsaugern verabschiedet. Um Strom einzusparen, muss die Leistung neu angebotener Geräte ab Herbst 2014 unter 1.600 Watt liegen, ab 2017 sogar unter 900 Watt.

Mit weniger Leistung gleich gut staubsaugen? Aus Sicht der Firma ein Ziel, „das nur mit neuen Geräten erreichbar ist – und mit Hightech-Beuteln“. Etwa aus dem Hause Löseke.

Von der Fabrik zur Kulturfabrik

Jubiläum: Arwed Löseke (rechts) gratuliert Stefan Könneke zu 20 Jahren Kulturbetrieb. Foto: Werk
Jubiläum: Arwed Löseke (rechts) gratuliert Stefan Könneke zu 20 Jahren Kulturbetrieb. Foto: Werk
  • Was tun mit einer schmucken Fabrik, wenn die Produktion in modernere Hallen umzieht? Das Unternehmen Arwed Löseke fand eine ungewöhnliche Antwort: Als es den Betrieb in ein Industriegebiet am Stadtrand verlagerte, stellte es das alte Gebäude Künstlern zur Verfügung – mietfrei.
  • Den Grundstein für die kulturelle Nutzung legte 1990 ein erster Musikproberaum. Bald darauf zog die freie Theaterszene Hildesheims ein, die ihre ersten Stücke noch zwischen Paletten voll Staubsaugerbeuteln probte. 1992 wurde die Kulturfabrik dann offiziell eröffnet.
  • Die Kulturfabrik Löseke, ein eingetragener Verein, ist längst fester Bestandteil des kulturellen Lebens in der Stadt. Geschäftsführer Stefan Könneke schwärmt: „Das ist ein Veranstaltungszentrum mit ganz besonderem Flair, ein wunderbarer Ort für Kunst und verschiedene soziale Projektarbeiten.“
  • Bis heute unterstützt das Unternehmen das Kulturprojekt, etwa durch Spenden und den Verzicht auf die Miete. Der langjährige Löseke-Chef Arwed Löseke erklärt dazu: „Wir wollen gesellschaftspolitisch positive Akzente setzen und die Geschichte des roten Backsteingebäudes erhalten.“

kufa.info

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