Fitness-Test am Arbeitsplatz

Die rollende Rückenschule im Einsatz beim Autozulieferer Continental


Bebra. „So, jetzt fest drücken!“ Gerhard Gogolin strengt sich an, um den Anweisungen von Lena Körner zu folgen. Die Sportwissenschaftlerin misst die Muskelkraft seines Oberkörpers, erfasst das Kräfteverhältnis zwischen Bauch- und Rückenmuskulatur.

Nur eine von drei Stationen auf dem Fitness-Parcours, den der Mitarbeiter in der Qualitätssicherung von Continental in Bebra durchläuft. Die Tests sind Teil der rollenden Rückenschule, einem Angebot der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (bgetem).

Bei Continental in Bebra und Mühlhausen (Thüringen) entwickeln und produzieren rund 1.200 Mitarbeiter Drosselklappenstutzen und Kraftstoffpumpen für Otto- und Dieselmotoren sowie bürstenlose Motoren. Seit Jahren wird hier viel für die Gesundheit der Mitarbeiter getan.

Eine ganz persönliche Anleitung für sportliche Aktivitäten im Alltag

Das Angebot reicht von Aktionstagen zum Thema Diabetes, Sucht oder gesunde Ernährung über Grippeschutzimpfung und Seminare zur Stressbewältigung bis zu 100 Euro Zuschuss für Sportaktivitäten außer Haus.

„Natürlich denken wir bei all dem auch an niedrigen Krankenstand und Rente mit 67, aber in erster Linie sollte doch jeder ganz egoistisch Interesse daran haben, dass er gesund bleibt“, betont Personalchefin Petra Hülshorst, die sich selbst mit Schwimmen und autogenem Training fit hält.

„Hier wird richtig viel angeboten“, freut sich Marina Stach. Als Logistik-Mitarbeiterin sitzt sie viel am PC, treibt aber in der Freizeit Sport und fährt oft mit dem Rad zum Betrieb. Auch sie hat sich für den Fitnesstest im Aktionsmobil „Gesunder Rücken“ gemeldet. „Weil ich immer mal Probleme mit der Lendenwirbelsäule habe.“

Jetzt heißt es für sie Rumpf beugen, Hüfte kreisen, Kopf drehen und mehr. Jede Bewegung wird aufgezeichnet. Mit Sensoren werden Verspannungen an Hals und Nacken aufgespürt. Zum ersten Mal erfährt sie, dass sie auch auf ihre Schultern aufpassen muss.

Abschließend bekommt sie Anleitungen für weitere sportliche Aktivitäten. „Ich weiß jetzt, wo meine Schwachpunkte sind, und ich will mehr tun, um auch im Alter schmerzfrei zu bleiben.“

Wie die Untersuchung bei Gerhard Gogolin gezeigt hat, sind seine Bauchmuskeln im Vergleich zum Rücken zu schwach. In Zukunft heißt das: Mehr Gymnastik, mehr Dehnen und Strecken, um Bauchmuskulatur aufzubauen und beweglicher zu werden.

Die Ergebnisse haben ihn motiviert: „Ich will in Zukunft mehr für mich und meine Gesundheit tun, auch wenn oft 1.000 andere Sachen viel wichtiger scheinen.“

Kommentar

Dr. Ulrich Kirsch. Foto: Verband
Dr. Ulrich Kirsch. Foto: Verband

Investition Fitness

Von Dr. Ulrich Kirsch, Geschäftsführer Kommunikation des Arbeitgeberverbands HessenMetall

Unternehmen wollen Nutzen schaffen für ihre Kunden, Gesellschafter, Mitarbeiter und nutzen so der Gesellschaft. Dafür müssen sie sich fit halten im Wettbewerb: durch stetige Verbesserung ihres Angebots, konkurrenzfähige Preise und Kosten, kluge Investitionen. Dazu brauchen sie fitte Mitarbeiter.

Menschen wollen ein langes, gutes Leben. Dafür investieren Kluge in ihre Fitness durch geistiges und körperliches Training, eine gute Ausbildung, lebenslanges Lernen und genügend Ausgleich. Das befähigt sie zu einem Gleichgewicht der Kräfte. Je ausbalancierter die Energien, desto besser die Balance von Beruf und Leben.

Kluge Arbeitgeber und Arbeitnehmer wollen selbst fit bleiben, aber auch die Fitness des anderen. Deshalb legen immer mehr ihre Investitionen in Fitness in individuellen Lösungen zusammen. Die Schnittmengen werden größer: bei der Qualifizierung, beim Gesundheitsmanagement, bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und mehr. Dazu brauchen wir den Willen zur Kooperation, aber keine politischen Vorgaben: weder staatlich verordnete Veggie-Days noch die pauschale 32-Stunden-Woche für junge Eltern.

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