Familienunternehmen

Die Reifenprofis aus Lübz


Die Firma Mülot produziert Runderneuerte für Nutzfahrzeuge

Lübz. Ein letztes Mal checkt Andreas Jacobi den riesigen Traktor-Reifen. Jetzt ist definitiv keine Beschädigung mehr zu finden. Und die kaputt gefahrene Seitenwand ist repariert. „Gut“, freut sich der Vulkaniseur- und Reifenmechaniker-Meister der Firma Mülot im mecklenburgischen Lübz, „dann kann der Reifen nach dem Aushärten zurück zum Kunden.“
Denn für den Bauern gilt: Zeit ist Geld. „Erntezeit ist Hochsaison in diesem Geschäft“, berichtet Jacobi. „Da kommt öfters mal ein Hilferuf.“

So gut wie neue Reifen

Jährlich wird für 15.000 bis 18.000 Nutzfahrzeug-Reifen der Start ins zweite Leben ermöglicht – im modernen Runderneuerungswerk. Es ist eines der großen Standbeine des Familienunternehmens, das mit seinen 40 Mitarbeitern auch Lkws, Pkws und Motorräder repariert.

„Wenn die runderneuerten Reifen vom Hof gehen, sind sie genauso gut wie neue“, versichert Firmenchef Uwe Mülot, „mit 100 Prozent Laufleistung und Belastungsfähigkeit.“ Der Preis liegt im Schnitt bei 150 Euro pro Stück – statt 300 Euro für einen neuen. In­sofern verwunderlich: Nur jeder zweite Lkw-Reifen in Deutschland wird rund­erneuert. Da liegt Arbeit brach, da sind Kostenreserven. „Abgesehen davon spart das Ressourcen“, fügt Mülot hinzu.

Die firmeneigenen Lkws holen im Norden und Osten der Republik die alten Reifen von den Händlern ab. In Lübz werden sie als Erstes gesichtet, dann in einer Maschine unter Unterdruck gesetzt und zuletzt durchleuchtet. Da zeigen sich eventuelle Risse. „Wenn es die in der Karkasse, also im Grundgerüst, nicht gibt, ist der Reifen okay“, erklärt Gerald Schmidt, ebenfalls Meister und Leiter des Runderneuerungswerks.

In diesem Fall wird die alte Lauffläche entfernt, und es wird Schicht um Schicht ein neuer Reifen aufgebaut – „nicht mit billigem Gummi, sondern mit Originalmaterial“, wie Schmidt betont. Zum Abschluss wird der Reifen bei über 100 Grad Celsius und unter hohem Druck im Autoklaven vulkanisiert.

Alle Mitarbeiter des Runderneuerungswerks kennen die einzelnen Handgriffe genauestens. „Die Voraussetzung dafür ist eine gute Ausbildung“, sagt der Firmenchef. Ständig nehmen seine Mitarbeiter an Fortbildungen teil. Und natürlich bildet der Betrieb auch Lehrlinge aus.

Entwicklungshilfe in Jordanien

Im Jahr 1969 hat Uwe Mülot seine Firma mit zunächst drei Beschäftigten gegründet. Ausdauernd und zäh hat er zu DDR-Zeiten den Reifenhandel- und Vulkanisierbetrieb stetig vergrößert und ihn dann mit Umsicht in die neue Zeit geführt. Die „Qualität der Arbeit“, diese Formulierung benutzt er häufig, hat den Betrieb etabliert.

Runderneuerte Lkw-Reifen

aus Lübz rollen auch im Kongo und in England, Russland und in Skandinavien. Und gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bringt die Firma ihre Standards und ihr Know-how in den arabischen Raum. In Jordanien laufen einige Projekte, „das in Syrien musste aufgrund der aktuellen Lage abgebrochen werden“, bedauert Mülot. Auch in Ägypten und Marokko ist man an einer Zusammenarbeit interessiert.

Der 66-jährige Firmenchef will sich im arabischen Raum weiter persönlich engagieren – auch wenn er in ein, zwei Jahren den Betrieb in die Hände von Sohn und Schwiegertochter gibt.

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Schlagwörter: Kautschuk Auto

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