Insolvenz

Die Räder drehen sich wieder


Beim Traktorenhersteller Max Holder organisiert sich die Belegschaft neu

Wenn eine Firma zahlungsunfähig wird, bedeutet das noch lange nicht das endgültige Aus. In vielen Fällen finden Mitarbeiter und Eigen-tümer gemeinsam einen Weg aus der Misere.

Von den bundesweit je rund 32500 Unternehmen, die 2009 und 2010 Insolvenz anmeldeten, haben etliche mit neuen Investoren und pfiffigen Ideen die Wende geschafft oder arbeiten daran.

Metzingen. Am Arbeitsplatz von Dietmar Schmeling herrscht Ordnung. Es ist nur das vorhanden, was der Mechaniker für die Montage eines Fahrzeugs braucht. Er arbeitet seit 14 Jahren beim Metzinger Nutzfahrzeug-Hersteller Max Holder und hat schon andere Zeiten erlebt: „Vor drei Jahren blockierten noch riesige Regale die Fertigung“, erzählt er. „Und für eine Schraube musste man weit laufen.“ Holder stand vor dem Aus.

Die Mitarbeiter steigerten die Effizienz

Damals gehörte der Traditionsbetrieb einem türkischen Konzern für Landmaschinen, davor einem japanischen Unternehmen. „Keiner der beiden hat investiert“, sagt Andreas Vorig, der die Firma heute leitet. Sie landete zweimal in der Insolvenz. Dann brachte eine konsequente Optimierung der Produktionsabläufe zusammen mit der Belegschaft die guten Zeiten zurück.

„Der türkische Inhaber wollte die bekannte Marke Holder nutzen, um seine eigenen Standardschlepper besser in Europa zu verkaufen“, berichtet Vorig. Holders Fachgebiet sind kleine, flexible Schlepper, die etwa von Obst- und Weinbauern sowie kommunalen Bauhöfen genutzt werden. Dieses Spezial-Know-how aber interessierte den Eigentümer in der Ferne wenig.

„Es war harte Arbeit, Holder wieder auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu bringen“, schildert Vorig. Dass es gelang, schreibt er nicht nur den drei neuen Gesellschaftern zu – sondern auch der bewährten Mannschaft.

Der Neuanfang brachte mehr Arbeitsplätze

Im Herbst 2008 übernahmen drei Investoren aus der Region das Unternehmen und modernisierten es. Vor allem schworen sie die Mitarbeiter auf ein „schlankes“ Produktionssystem nach dem Vorbild Toyota ein – das heißt, sie sollten die Abläufe effizienter gestalten.

Das sieht in der Praxis so aus: Jeder Einzelne vermeidet Fehler und Verschwendung, arbeitet ständig an Verbesserungen. „Alle zogen super mit, obwohl sie die Jahre davor ständig ausgebremst wurden“, lobt Vorig. Gleichzeitig wurden sämtliche Fahrzeug-Baureihen überarbeitet. 

„Im vergangenen Jahr haben wir 550 Fahrzeuge gebaut“, freut sich der Geschäftsführer. Das brachte Holder 30 Millionen Euro Umsatz. Die Mitarbeiter-Zahl ist seit der Insolvenz von 90 auf 137 angewachsen.

Mittelfristig soll die Produktion sogar auf 700 Fahrzeuge steigen. Mechaniker Schmeling hat gut zu tun. Gerade fährt er einen fertigen Knicklenker vom Montageband und sagt: „So wie das jetzt läuft, sind alle hochmotiviert.“

Übrigens ...

Geld kommt oft aus dem Ausland

R egelmäßige Investitionen halten Firmen am Leben, und Geldgeber aus dem Ausland tragen entscheidend dazu bei. Ende 2008 beispielsweise waren ausländische Investoren mit 479 Milliarden Euro an 12.659 deutschen Unternehmen beteiligt.

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