Verhütung

Die „Pille“ kommt aus Weimar


Eine Tochter von Bayer Schering Pharma fertigt sieben Milliarden Hormontabletten pro Jahr

Gut 7 Milliarden Euro Umsatz, fast 18.000 Mitarbeiter: Die rund 70 Pharma-Betriebe im Osten sind eine Wachstumsbranche. Viele von ihnen spezialisieren sich – auf Produktion, Forschung oder Vertrieb. Hier sind drei Beispiele.

Es sieht ein bisschen aus wie die Ziehung der Lottozahlen – bloß mit viel mehr Kugeln, aber winzigen: Ununterbrochen fließt die „Pille“ in die komplexe Verpackungsanlage. Sie rutschen, überwacht von Kamerasystemen, brav in die kleinen Löcher in der Folien-Verpackung, wo sie sofort luftdicht eingesiegelt werden.

Es ist die Tagesdosis für Millionen Frauen in aller Welt. Damit ihre Empfängnisverhütung nicht zum Glücksspiel wird. Hier arbeitet Annette Wichmann: an einer von insgesamt zwölf Verpackungslinien bei der „Schering GmbH und Co. Produktions KG“ in Weimar.

Exaktheit ist Trumpf

Thüringens berühmte Klassiker-Stadt hat nicht nur Goethe und Schiller zu bieten, sondern auch eine der größten Produktionsstätten von Hormon-Präparaten weltweit.

„Dieses Jahr laufen bei uns 7,1 Milliarden Tabletten vom Band“, sagt Werkleiter Alfred Merz. „Etwa vier Fünftel Verhütungsmittel und ein Fünftel Hormon-Ergänzungsmittel für Mann und Frau.“

Unweit der Pillen-Verpackungsanlage sitzt Janette Preller. Sie führt ein sogenanntes Chargen-Protokoll: „Das wird für jeden Produktionsschritt gemacht“, erläutert sie. „So können wir jederzeit lückenlos nachweisen, wann jede einzelne Pille hergestellt wurde.“ Das gehört zur „Good Manufacturing Practice“ – einem von Behörden und Industrie erstellten Regelwerk für die Arznei-Produktion.

„Alles ist exakt vorgeschrieben“, nimmt Werkleiter Merz den Faden auf, „damit die konstante Produktqualität gesichert ist.“ Das betrifft die Auslegung der Räume, die Be- und Entlüftung, Hygiene, die Arbeitsschritte der Mitarbeiter und so weiter.

In dem Werk fertigen etwa 500 Mitarbeiter, darunter 40 Auszubildende, rund um die Uhr Hormon-Präparate ausschließlich für den Mutter-Konzern Bayer Schering Pharma. Darunter die Fertigstellung von oralen Kontrazeptiva für den weltweiten Markt. Von Krise ist im Werk Weimar übrigens keine Spur: Verhütung unterliegt eben nicht dem Konjunktur-Zyklus.

Doppelt integriert

Seit 15 Jahren produziert das Werk. „Anfangs für Gehe, dann für Schering, seit 2006 für Bayer Schering Pharma“, erzählt Merz. Die Integration in die Bayer-Welt habe schnell funktioniert.

Gut integriert hat sich auch der Schweizer Merz, der nach sieben Jahren Berlin seit Januar in Thüringen ist: „Das war bei der kompetenten und motivierten Mannschaft gar kein Problem.“

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