Medizinprodukte

Die neue Welt der Pflaster


So will Vliesstoff-Hersteller Freudenberg auf dem Gesundheitsmarkt punkten

Weinheim. Zu Besuch beim Vliesstoff-Spezialisten Freudenberg: Wer abseits der Produktion in den Mischbereich medizinischer Wirkstoff-Lösungen will, muss durch eine Schleuse. Überschuhe, weißer Kittel und Haube sind Pflicht. Hier beginnt eine neue Welt. „Diese Produktion erfüllt die strengen Auflagen der Medizinprodukte-Hersteller“, sagt Prozessingenieur Michael Zaminer im Stammwerk Weinheim bei Heidelberg.

„Wir beliefern führende Hersteller“

Vliesstoffe stecken in Be­kleidung, Luftfiltern, Reinigungstüchern und Autohimmeln – aber eben auch in Heftpflastern und Kompressen. Längst macht die Industrie daraus auch spezielle Verbände, antiseptische Wundauflagen oder Pflaster mit integrierten Wirkstoffen.

Damit will Freudenberg auf dem Gesundheitsmarkt weiter punkten. Etwa bei der  Wundversorgung: Mit speziellen Vliesen ausgestattete Verbände können bis zu einer Woche auf einer Wunde bleiben. Das hilft Patienten mit schlecht heilenden Wunden. „Jeder Verbandswechsel stört  den Heilungsprozess“, erklärt Textilingenieur Peter Mayer, zuständig für die medizinische Anwendungstechnik.

Vliese aus Stapelfasern haben gegenüber Geweben ein höheres Saugvermögen: Eine hauseigene Entwicklung saugt pro Quadratmeter bis zu 18 Liter Wasser auf!

„Wir beliefern führende Medizinprodukte-Hersteller“, betont Mayer. Und die Entwicklungsarbeit geschieht in enger Kooperation mit diesen Kunden. Etwa, wenn es um mit Arzneimitteln ausgerüstete Vliesstoffe geht: Die kommen als antiseptische Wundverbände zum Einsatz, aber auch als Bakterienkiller in Schutzmasken. Anfang des Jahres richtete Freudenberg für diese speziellen Vliesstoffe eine neue Reinraum-Mischzelle ein.

Auch sonst gelten hohe An-forderungen: „Wir haben viel in Fehlererkennungssysteme und die Qualitätssicherung investiert“, betont Prozessingenieur Zaminer.

Wirkstoffe im Verband

Nun suchen zum Beispiel Online-Scanner die Vliesstoff-Bahnen nach kleinsten Unregelmäßigkeiten ab.

Die Firma setzt auch auf Komponenten für „transdermale Produkte“: Hier werden in Verbänden eingearbeitete Wirkstoffe dosiert über einen längeren Zeitraum abgegeben und über die Haut aufgenommen. „In Asien kennt man das schon lange“, so Jean-Francois Kerhault, Leiter Medizinische Vliesstoffe Europa.

Er schätzt das Wachstumspotenzial für solche Anwendungen auf jährlich 10 Prozent. Und freut sich: „Wir sind ein Spezialist für solche Nischenmärkte.“

Gabriele Koch-Weithofer

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