Besondere Schiffe

Die Neptun Werft setzt auf Gastanker und Flusskreuzfahrten


Was Schiffe der Neptun Werft zu etwas Besonderem macht

Selbst für alte Hasen auf der Werft ist es immer noch ein Erlebnis, wenn ein Schiff seinen Propeller bekommt. Passiert ja auch nicht alle Tage, und schon gar nicht in Deutschland, wo viele Werften sich mittlerweile aus dem Neubaugeschäft zurückgezogen haben.

Aber heute ist so ein Tag, denn die „Coral Energy“, deren Heck bereits aus der Montagehalle der Neptun Werft herauslugt, soll bald fertiggestellt werden, und dann geht es ab ins Wasser. Bis dahin muss die Schraube sitzen.

Tonnenschwerer Propeller

Kraftakt und Präzisionsarbeit zugleich ist die Montage. Die vier Messingflügel des verstellbaren Propellers, jeder 2,2 Tonnen schwer, stehen bereits vor der Montagehalle. Jetzt müssen sie behutsam angehoben und mit dicken Bolzen an der Propellernabe des Gastankers fixiert werden. Das ist der Job von Hannes Teichert und seinen Kollegen. Gemeinsam hängen sie den ersten Flügel an den Kran und heben ihn nach oben.

Die Coral Energy ist nicht der erste Gastanker, der in Warnemünde entsteht, aber trotzdem handelt es sich um eine doppelte Premiere. Das Schiff ist nämlich der erste hier gebaute Tanker für flüssiges Erdgas (LNG), und es bekommt einen direkten mechanischen Antrieb mit einem „Dual-Fuel-Motor“. Das gab es in dieser Art noch nie.

Geschäftsführer Manfred Müller-Fahrenholz erklärt: „Ein Dual-Fuel-Motor kann verschiedene Treibstoffe verbrennen. Unser Tanker nutzt im Normalfall das Erdgas aus seinen Transporttanks, er kann aber auch mit Öl fahren.“

Wer hier anfängt, der bleibt meist auch

Mit dem innovativen LNG-Tanker beweist die Werft einmal mehr, dass sie immer für eine Überraschung gut ist. Die unruhigen Jahre nach der Wiedervereinigung sind Vergangenheit, heute steht das Unternehmen sehr gut da und bietet rund 460 Beschäftigten einen sicheren Arbeitsplatz.

Auch der viel diskutierte Fachkräftemangel ist kein Thema. Personal-Chef Werner Kruse setzt auf die Ausbildung im eigenen Haus. „Wir haben derzeit 55 Auszubildende, und im Herbst kommen noch mal 15 dazu. Außerdem tun wir viel für die Weiterbildung unserer Leute.“ Ein Nebeneffekt: Die Fluktuation ist sehr niedrig – wer hier anfängt, der bleibt meist auch.

Kruse selbst ist übrigens ein gutes Beispiel dafür. Er fing 1968 als Elektriker-Lehrling auf der Werft an und blieb dem Betrieb seither treu. Die meisten Mitarbeiter kennt er seit langer Zeit. Das hilft, wenn es darum geht, eine so große Truppe zu koordinieren.

Forschungsschiff für die Tiefsee

Ein anderer Teil des Neptun-Erfolgsrezepts hat mit der Neu-Ausrichtung in den vergangenen Jahren zu tun. 1997 wurde der Betrieb ein Schwesterunternehmen der Papenburger Meyer Werft. Drei Jahre später stieg Neptun in den Bau von Flusskreuzfahrtschiffen ein. Ein Volltreffer – bisher wurden 22 Schiffe abgeliefert, und 8 weitere stehen in den Auftragsbüchern.

Daneben gibt es einen Auftrag, der bereits im Vorfeld für Aufsehen sorgte. Im Mai bestätigte das Bundesforschungsministerium, dass das neue Tiefseeforschungsschiff „Sonne“ in Warnemünde gebaut wird.

90 Prozent der Kosten (rund 125 Millionen Euro) trägt das Ministerium, den Rest bringen die Bundesländer an der Küste gemeinsam auf. Werft-Chef Müller-Fahrenholz: „Ein toller Auftrag, über den wir uns alle sehr freuen. Ende des Jahres geht’s los.“

Das flüssige Gas ist minus 164 Grad kalt

Unterdessen haben HannesTeichert und sein Team den ersten Propellerflügel der Coral Energy fixiert. Ihre Kollegen in der Montagehalle sind noch mit dem Zuschneiden der großen Styroporblöcke beschäftigt, mit denen die gewaltigen Tanks des Schiffes isoliert werden.

„Für den Transport wird das Gas auf minus 164 Grad Celsius gekühlt“, sagt Schiffbauer Michael Hinrich. „So kann man 600 Kubikmeter Gas auf einen Kubikmeter Flüssiggas reduzieren.“

Insgesamt wird der Tanker 15.600 Kubikmeter Ladekapazität haben. Das reicht aus, um rund 3.000 Haushalte ein Jahr lang mit dem Gas zu versorgen.

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Neptun Werft GmbH, Rostock

Über 1.500 Schiffe, darunter Deutschlands erster eiserner Schraubendampfer, entstanden bislang auf der Werft in Rostock-Warnemünde, die 1850 gegründet wurde. Das Unternehmen erlebte mehrere Eigentümer- und Strategie-Wechsel und wurde 1997 ein Schwesterbetrieb der Papenburger Meyer Werft. Die Neptun Werft gilt als Spezialist für Flusskreuzfahrtschiffe, außerdem baut sie Gastanker und andere Schiffe. Aktuell sind hier 460 Mitarbeiter und rund 55 Azubis beschäftigt.

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