Sozialarbeit

Die Mut-Macherin packt mit an


Überzeugungsarbeit: Gertraud Gruber deckt zum Beispiel im Gespräch mit Langzeitarbeitslosen bislang unentdeckte Stärken auf. Foto: Puchner

Job-Patin Gertraud Gruber hilft beim Weg zurück ins Berufsleben

Augsburg. „Was, arbeitslos? Ja selber schuld!“ Solche Sprüche regen Gertraud Gruber auf: „So einfach ist das meistens nicht!“ Hinter jedem Fall steckt ein Schicksal – das weiß sie aus Erfahrung.

Als Job-Patin hilft sie zum Beispiel Langzeitarbeitslosen, wieder Tritt zu fassen im (Berufs-)Leben. Das kann schon mal länger dauern: „Bis zu 18 Monate Begleitung hatte ich auch schon.“

Dabei hat Gruber im Hauptberuf schon genug zu tun: Sie ist Personalleiterin bei der Kuka Roboter GmbH in Augsburg. „Ich kann mir meine Zeit etwas flexibler einteilen als andere“, sagt sie, „aber auf Zwölf-Stunden-Tage komme ich so auch regelmäßig.“ In ihrer Freizeit hat sie ehrenamtlich bei der Initiative „Arbeit durch Management/Patenmodell“ seit 2006 fünf Menschen auf neue Pfade in die Arbeitswelt begleitet. Drei von ihnen haben sich komplett umorientiert.

Neuer Beruf, mehr Zufriedenheit

„Da war zum Beispiel ein Industriekaufmann, der sich in großen Teams unwohl fühlte“, erinnert sie sich. „Wir haben herausgefunden, dass er lieber selbstständig arbeitet. Heute ist er Bäcker und viel zufriedener“, freut sich Gruber. Etwa einmal pro Woche setzt sie sich mit den „Klienten“, wie

sie sagt, zusammen. Und redet, manchmal stundenlang. „Oft muss ich erst mal herausfinden, was jemand wirklich ändern will“, berichtet sie von Stärken-Schwächen-Analysen. „Dabei stelle ich nur Fragen. Die Antworten kennt mein Gegenüber meistens schon – hat sich aber bislang nicht

(zu-)getraut, sie auszusprechen und Konsequenzen zu ziehen.“

Job-Vermittler sind die Paten aber nicht, eher Berater. „Ich kann bei der Gestaltung von Bewerbungsunterlagen helfen, weil ich die Lage auf dem Arbeitsmarkt und Bewerbungsprozesse gut kenne“, erklärt Gruber.

Klienten melden sich meist  bei der Augsburger Koordinatorin Eva Geierhos. Die vermittelt sie nach einem Kennenlern-Gespräch dann an einen passenden Paten. „Der erste Schritt, etwas zu ändern, muss vom Arbeitsuchenden kommen“, betont Geierhos. Um verbindlich miteinander zu arbeiten, wird vor der Patenschaft eine Zielvereinbarung getroffen.

Wenn Personalleiterin Gruber hilft, Schwellenängste abzubauen, gibt ihr das auch mehr Verständnis für ihren Hauptberuf. Etwa wenn sie jemandem rät, einen Job als Zeitarbeiter anzunehmen, um überhaupt wieder in die Arbeitswelt einzusteigen, oder wenn sie Tipps gegen Panik im Bewerbungsgespräch gibt: „Ich spüre, wie es an der Basis wirklich läuft.“

Lehr-Auftrag an der Fachhochschule

Der Seitenwechsel hilft auch, „den ersten, manchmal oberflächlichen Eindruck zu hinterfragen und genauer hinzuschauen“. Neugierig und vielseitig ist die Betriebswirtin: Sie hat einen Lehr-Auftrag an der Fachhochschule Augsburg und arbeitet nebenbei als ausgebildete Streitschlichterin in Betrieben („IHK-Mediatorin“) und „Management Coach“ bei Kuka.

Als Führungskraft spürt die gebürtige Münchnerin eine gesellschaftliche Verantwortung: „Ich möchte als Patin einigen Menschen ihren Weg erleichtern – auch, weil es solche Unterstützung zu meiner Anfangszeit noch nicht gab.“

Eva Schröder

 

Info: Job-Paten

Ursprünglich in Berlin-Brandenburg gegründet, zählt die Initiative „Arbeit durch Management/Patenmodell“ inzwischen bundesweit 456 Job-Paten, darunter 80 in Bayern. Sie läuft unter dem Dach des Diakonischen Werks.

Helfen können neben aktiven und ehemaligen Führungskräften auch andere Berufserfahrene. Anfangs sind zwei Stunden pro Woche und Klient einzuplanen, im Laufe der Betreuung weniger.

Mehr Infos bei Eva Geierhos, Telefon 0821-3181306, oder auf www.patenmodell.de

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