Bühnentechnik

Die Macher hinter den Kulissen


Remscheid. Eigentlich müsste Colleen Rosentreter für ihren Job Kilometergeld nehmen. Fast im Laufschritt umkreist die Maß- und Kostümschneiderin den zehn Meter langen Zuschneidetisch, auf dem gerade ein riesiger Bühnenvorhang entsteht: „Für eine Bluse braucht man vielleicht anderthalb Quadratmeter Stoff“, sagt sie: „Bei einem Bühnenvorhang sind es aber locker 100 und mehr.“

Die 33-Jährige arbeitet bei Goet­ze Bühnentechnik in Remscheid. Einem Betrieb, der pro Jahr rund 100 000 Quadratmeter Stoff zu Bühnenvorhängen verarbeitet. Das entspricht der Größe von 14 Fußballfeldern!

Geleitet wird das Unternehmen von Wilhelm Goetze. Der 63–Jährige hat dreieinhalb Jahrzehnte Erfahrung im Bühnenbau. Er sieht sich mit eigenem Stahlbau, eigener Planung, eigener Näherei und eigener Montagetruppe als Generalunternehmer: „Wir bauen Bühnen schlüsselfertig.“ Dazu gehören die Unterkonstruktion mit Bühnenboden, der Aufbau für Kulissen, Vorhänge, Ton und Licht sowie die Maschinenanlage – und jede Menge Seilzüge, die alles beweglich machen.

Die Firma setzt im Jahr zwischen 2,5 und 3 Millionen Euro um und hat 18 Mitarbeiter: „Wir sind eine bunte Truppe, die aus den unterschiedlichsten Gewerken kommt“, sagt der Geschäftsführer: „Bei uns gibt es Schlosser, Dekorateure, Konstrukteure, Ingenieure, Techniker, Meister, technische Zeichner und Projektmanager.“

Wartungsvertrag für den Starlight Express

Bei einem ist sich Goetze sicher: „Den Beruf Bühnenbauer kannst du nicht lernen. Du kannst nur Erfahrung sammeln.“ Und das nicht zu knapp: 30 Bühnen pro Jahr plant und baut das Team für Aufführungen in Deutschland, den Beneluxländern, der Schweiz, Italien, aber auch in Kasachstan.

So stattete es das Frankfurter  Künstlerhaus Mousonturm aus, die Festhalle Viersen sowie die Theater in Marl und Langen. Jede Bühne ist anders und damit eine neue Herausforderung. Goetze sagt nicht ohne Stolz: „Auch Harald Schmidts Studio in Köln haben wir ausgerüstet.“ Mit dem Vorhang, der zum Start der Show aufging. Die Sendung lief bis letztes Jahr auf „Sat 1“.

Für den großen Auftritt gelten strenge Sicherheitsanforderungen. Damit die Technik stets einwandfrei funktioniert, kommt alle vier Jahre der Tüv.

Goetzes Team ist aber auch Dienstleister – und hat gleich mehrere Hundert Wartungsverträge. Unter anderem für den „Starlight Express“ in Bochum. Dafür macht Goetze die Inspektion, wenn die Prüfer kommen: Ist alles richtig eingestellt? Funktionieren die Not- und Endschalter? Züge werden nachgespannt, Schienen gereinigt und geschmiert.

Damit auch bei Goetze selbst alles glattläuft, muss jeder Mitarbeiter vieles können. Ohne Teamgeist geht es nicht. Dazu gehört auch, dass der Chef die Näherin Rosentreter mal unterstützt, wenn ein riesiger Theatervorhang zusammengelegt werden muss, für den Abtransport zur Montage.

Das Werk ist vollbracht. Die Frau schließt für einen Moment die Augen: „Jetzt stelle ich mir vor, wie sich der Vorhang auf der Bühne hebt und das Stück beginnt …“

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