Technik

Die Macher der magischen Kräfte


Firma im Rheinland baut die stärksten Magnete der Welt

Solingen. Kinder heben mit Magneten Büroklammern auf. Oder pappen sie an Kühlschränke. Die Magnete, mit denen die Mitarbeiter der Firma Evertz in Solingen hantieren, sind ein bisschen größer. Und stärker.

Tor auf für eine bärenstarke Show: Eine dicke Mittelklasse-Limousine saust in die Fabrikhalle, fährt haarscharf an einen Stahlblock vorbei. Es macht rums – dann klebt der 5er BMW an ihm fest! Der Fahrer gibt Vollgas; die Räder drehen durch, dass es nur so qualmt. Es nützt nichts: Der Wagen kommt keinen Zentimeter vom Fleck. Er wird von einer unsichtbaren, magischen Kraft regelrecht angesaugt.

So teuer wie ein Einfamilienhaus

Der dicke, gelbe Stahlblock gehört zu den stärksten Magneten der Welt – und die baut Evertz. Thomas Benner, Leiter Magnetbau, erklärt: „Sie werden etwa in der Stahl-Industrie verwendet, wo sie riesige tonnenschwere Metallblöcke in luftiger Höhe transportieren oder Stahlschrott über dem Schmelz-Ofen ausklinken.“ Bis zu 30 Tonnen wiegen die Elektromagnete. Sie kosten so viel wie ein kleines Einfamilienhaus. Und sie könnten rein rechnerisch bis zu 410 VW-Golfs gleichzeitig anheben – in der Praxis würde das nur deshalb nicht klappen, weil die Tragkraft mit der Entfernung zum Magneten sinkt und die Autos ganz unten runterfallen würden.

Im Mai ging solch ein Kraftmeier nach Brasilien, in ein neues Stahlwerk von Thyssen. Der 4,70 Meter lange, 80 Zentimeter breite und einen Meter hohe Magnet bewegt 45 Tonnen schwere Teile.

Käme es da plötzlich zu einem Stromausfall, wären die Folgen fatal. Dann würde der Magnet abrupt seine Kraft verlieren – und die Last in Bruchteilen von Sekunden nach unten krachen. „Deshalb sind unsere Produkte zusätzlich mit einer starken Batterie ausgestattet“, so Benner. Sie sorgt im Notfall dafür, dass ein Magnet bis zu 40 Minuten lang genug Saft bekommt.

Spulen wiegen bis zu 2,5 Tonnen

Die Firma ist breit aufgestellt, repariert unter anderem auch Gussformen – nur 14 der 700 Mitarbeiter bauen Magnete. Pro Jahr verlassen bis zu 150 Stück die Werkhallen, meist als Sonderanfertigung.

Das Gros der Arbeit wird per Hand erledigt. Etwa das Aufwickeln der einzelnen, bis zu 2,5 Tonnen schweren Magnetspulen. Oder das Verschweißen der Abdeckplatte an einem Rundmagneten, der etwa auf dem Autofriedhof oder im Hafen zum Einsatz kommt.

Und könnte auch ein Mensch zwischen solchen Magneten schweben? Normalerweise schaffen es selbst die stärksten nicht, Lebewesen anzuziehen oder abzustoßen – denn die sind eine Milliarde Mal weniger magnetisch als etwa Eisen. „Immerhin lässt man an der Uni Nimwegen in Holland schon einen Frosch schweben“, erzählt Benner.

In einer Röhre zwischen zwei Magneten, die sich abstoßen, werden die Wassermoleküle des Tieres magnetisiert – zu sehen unter www.youtube.com/watch?v=LxRvEfyFJu8 im Internet. Keine Sorge: Am Ende des harmlosen Versuchs kommt der Frosch quietschlebendig raus.

 

Info: So funktioniert ein Elektromagnet

Jedes Atom von bestimmten Metallen, etwa Eisen, Nickel und Kobalt, hat eine Anziehungskraft. Normalerweise heben sich die winzigen Teile in ihrer Wirkung gegenseitig auf – es sei denn, man richtet ihre Nord- und Süd-Pole in die gleiche Richtung aus. Das geschieht beim Elektromagneten mit einer Stromspule, die in ein Eisengehäuse eingebaut wird. Schaltet man den Saft wieder ab, ist die Wirkung weg.

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