Medizintechnik

Die Lebensretter


Im Notfall kommt es auf jede Sekunde an - und auf die Technik. Die ist oft Made in Hamburg

Karambolage auf der A 8 Richtung München. Zerfetztes Blech, ein abgerissener Hinterreifen, Blaulichter zucken. Fünf Fahrzeuge sind ineinandergekracht, darunter ein Reisebus. 13 Personen wurden verletzt, zwei davon schwer. Großeinsatz für Feuerwehr und Ärzte.

In solchen Notfällen kommt es auf jede Sekunde an. Und auf die Technik. Die Rettungsapparaturen sind oft Made in Hamburg: Hier stellt die Firma Weinmann Produkte der Notfall-, Schlaf- und Sauerstoffmedizin her.

Bekannt wurde sie vor allem durch ihren „Ulmer Koffer“ für die Erstversorgung von Patienten bei Notfällen und die Beatmungsgeräte der Serie „Medumat“. Und wann immer Verletzten geholfen werden muss, holt der Arzt meist einen Ulmer Koffer aus dem Rettungswagen.

Jeder fünfte Euro für die Forschung

„Acht von zehn Notärzten haben einen von uns“, sagt Pressesprecher Tobias Drewling. In dem Koffer, den Weinmann gemeinsam mit der Uni Ulm entwickelt und in den 70er-Jahren auf den Markt gebracht hatte, stecken unter anderem eine Beatmungsmaske, Spritzen, Schläuche und Verbandsmaterial: Das Rote Kreuz in Bayern und Hamburg ist komplett mit Weinmann-Koffern ausgerüstet, auch die Bundeswehr, die Armeen Belgiens und Polens sowie die ADAC-Luftrettung nutzen ihn.

Weinmann (520 Mitarbeiter weltweit, davon 270 in Hamburg) exportiert die Hälfte der Produkte. Die Firma hat Niederlassungen und Vertriebsbüros im Ausland. Doch die Fertigung ist – und bleibt – ausschließlich in Deutschland, betont Drewling.

Trotz der aktuellen Wirtschaftskrise: Auch 2009 wird das Unternehmen ein Wachstum erzielen. Der Umsatz dürfte von 67 Millionen (2008) auf rund 72 Millionen Euro steigen.

Computer-Stimme hilft dem Laien

Vor vier Jahren stand Weinmann vor einer Wende: Internationale Großkonzerne bedrängten das Familienunternehmen mit Konkurrenzprodukten. Es gab nur zwei Alternativen: Wachsen oder Weichen? „Wir haben uns fürs Wachsen entschieden“, so Karl-Andreas Feldhahn, der die Firma zusammen mit Marc Griefhahn führt. Und so machten die beiden aus Weinmann eine Innovationsschmiede, die jeden fünften Umsatz-Euro in Forschung und Entwicklung steckt.

Das Ergebnis ist etwa die ­Sauerstoffmessung im Blut – ohne Pikser. Stattdessen steckt man einen Clip auf den Daumen. Leuchtet das Gerät „blau“ auf, ist alles bestens. Bei „rot“ muss der Arzt nachforschen.

Auch bei der Notfallmedizin setzt die Firma Maßstäbe. So hat sie ein Beatmungsgerät entwickelt, das am Unfallort zum Einsatz kommt und bis im Klinikbett am Patienten bleibt.

Oder neuartige Defibrillatoren. Plötzlicher Herztod ist die häufigste Todesursache bei uns – 130.000 Menschen sterben jährlich daran. Es bleiben nur zehn Minuten, um das Herz mit dem entscheidenden Stromstoß wieder in Takt zu bringen. Doch oft ist der Notarzt so schnell nicht zur Stelle. Deshalb gibt es einen Lebensretter, mit dem selbst Laien zurechtkommen. Ein Sprachcomputer sagt, was zu tun ist. Jetzt hängen die Geräte in einigen Großbauten – im Flughafen Hannover beispielsweise.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang