Mittelstand

Die Kunst, Signale in alle Welt zu senden


Der Hersteller des „Martin-Horn“ bleibt von der Krise verschont

Philippsburg. Kennen Sie das? Sie sitzen im Auto, hören ein „Tatütata“, wollen Platz machen. Doch aus welcher Richtung will der Rettungswagen durch? Schwer zu sagen. Martin Brender weiß, warum: Weil das Warnsignal oft elektronisch erzeugt wird.

Brenders Firma, die  Deutsche Signal Instrumenten Fabrik im badischen Philippsburg, stellt das traditionelle „Martin-Horn“ her. Da gibt es dieses Prob­­lem nicht, denn es erzeugt die Töne akustisch.

So hört man besser, woher das Signal kommt“, erläutert der Ge­schäftsführer. Diese Er­kennt­nis setzt sich immer mehr durch.  Alle Welt ordert bei dem 40-Mann-Be­trieb die Martin-Hörner, die nach bewährtem Prinzip funktionieren: Es wird Luft durch Schallbecher geblasen.

Brender  spricht  wie  ein Mu­siker: „Bei dieser Tonerzeugung bekommen Sie ein großes Spektrum an Ober- und Untertönen, da­zu haben unsere Signalhörner einen Tremolo-Effekt.“ Im Klartext: Während viele elektronische Signalhörner nicht klang­rein tönen, haben die akustischen einen vollen Klang, der gut zu lokalisieren ist.

„Wir arbeiten zurzeit eher mehr“

Hersteller solcher Signalhörner  gibt  es  nicht  viele,  weil  Er­fahrung nötig ist und sich die Massenproduktion in Billiglohnländern nicht lohnt. Der ge­schützte Name „Martin-Horn“ stehe für Qualität aus Deutschland,  so  Brender,  auch  deshalb sei die Firma erfolgreich.

 

Von der Rezession spürt sie nichts.  An  Sicherheit  werde auch in schlechten Zeiten kaum gespart, lautet Brenders Erklärung. Produktionsleiter Thomas Rau ist froh, in einem so krisenfesten Unternehmen beschäftigt zu sein: „Wir arbeiten zurzeit eher mehr als weniger“, sagt er. 2008 legte der Umsatz  im zweistelligen Prozentbereich zu. Kurzarbeit hat es in der Fabrik noch nie gegeben.

Rund 3.000 Martin-Hörner verlassen  jährlich  das  Werk. 40 Prozent gehen ins Ausland. Dort müssen sie oft ganz anders klingen – so hat die Firma neben dem „Tatütata“ auch viele andere Tonfolgen im Repertoire. Brender er­zählt: „In Österreich ist das Klangbild schon ganz anders.“ Das Unternehmen profitiert  auch von der Osterweiterung der Europäischen Union. Denn die Beitrittsländer wollen EU-Standard erreichen.

Der Betrieb liefert neben Signalhörnern auch „akustische Pausen- und Warnanlagen“, etwa für Fabriken, Häfen und   Kreuzfahrtschiffe  sowie  Signaltrompeten für Bahnen. Selbst Musikinstrumente ge­hören zur Produktpalette.

So ergeben sich vielfältige Ge­schäftsmöglichkeiten, ei­nem Umsatzeinbruch vorzubeugen. Brender schätzt, dass sich der Umsatz seines Unternehmens im Herbst dieses Jahres lediglich „etwas beruhigen“ wird. Da­rum werden ihn die Geschäftsführer vieler anderer Firmen beneiden.

Barbara Auer

 

Info: Deutsche Signal Instrumenten Fabrik Max B. Martin

Das Unternehmen wurde 1880 gegründet und stellte damals Jagdhörner und Kavallerie-Trompeten her. Von 1932 bis zum Zweiten Weltkrieg hatte der Betrieb ein Monopol für Signalhörner von Einsatzfahrzeugen.

Das „Martin-Horn“ hat seinen Namen vom Firmengründer Max B. Martin. Heute sind hierzulande rund 90 Prozent aller Krankenwagen und Feuerwehrfahrzeuge mit dem Original aus Philippsburg ausgestattet.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang