Arbeitsabläufe

Die Krise stemmen


Wie sich Unternehmen fit halten und für den nächsten Aufschwung fit machen

München. Die Metall- und Elektro-Betriebe in Bayern haben die Zeichen der Zeit erkannt. Sie drehen nicht nur an der Kostenschraube, um den zum Teil starken Rückgang der Aufträge aufzufangen. Gleichzeitig tüfteln sie an innovativen Produkten und suchen nach neuen Geschäftschancen, um sich auf den nächsten Aufschwung richtig vor­zu­bereiten.

„Jetzt ist die Zeit, alles auf den Prüfstand zu stellen“, sagt Joachim Reuß, kaufmännischer Geschäftsleiter der Leichtme­tall­gießerei Schulte&Schmidt in Nürnberg. Gesucht werde die Antwort auf die Frage: „Wie organisiert sich ein Unternehmen optimal?“

Die Firma mit rund 600 Mitarbeitern ist dabei, die Zeit für das Um­rüs­ten von Maschinen und Anlagen in der Produktion zu verringern. „Ziel sind minus 40 Prozent“, so Reuß.

Gute Ideen wirken Wunder

Das Rezept: Alle Mitarbeiter tragen systematisch ihre Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge zusammen. „Bisher fehlte eine durchgängige Abstimmung“, sagt Reuß.

Dass das systematische Vorgehen funktioniert, hat die Gießerei schon bewiesen. Die Menge der Trennmittel wurde um 40 Prozent verringert. Sie verhindern, dass das 700 Grad Celsius heiße flüssige Aluminium nach seiner Erstarrung in den Gussformen festklebt. Wird weniger gebraucht, schont das die Liquidität des Betriebs – und die Umwelt. Außerdem erhöht sich die Qualität.

 

Reuß: „Dank des geringeren Verbrauchs von Trennmitteln sparen wir jetzt im Vergleich zu früher 60.000 bis 70.000 Euro im Jahr.“ Unterstützt wird Schulte&Schmidt in den Projekten von Fachleuten der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände.

Auch MAN Diesel in Augsburg, Hersteller von Schiffsmotoren und Diesel-Antrieben für Kraftwerke, erntet nun die Früchte früherer Anstrengungen und kann so die Stürme der Krise besser überstehen. „Vor vier Jahren haben wir mit dem Ausbau unseres Service-Geschäfts begonnen“, erzählt Stephan Timmermann. Er ist Vorstand für Service, Produktion und Turbolader des Augsburger Werks.

Der große Vorteil des Geschäfts mit Wartung, Reparaturen und Ersatzteilen: Es reagiert nicht so stark auf Konjunkturschwankungen. „Eine Voraussetzung für stabile Um­sätze“, sagt Timmermann.

Modernste Technik für bessere Tage

 

Und nicht nur das: Immer mehr Kunden setzen beim Betrieb ihrer Motoren auf Gas oder Biokraftstoffe anstelle von Schweröl. Das eröffnet MAN Diesel neue Chancen.

Das Unternehmen bietet  außerdem Bausätze für die Modernisierung älterer Motoren an und verstärkt derzeit die Entwicklung auf diesem Gebiet.

 

Timmermann: „Wir geben jetzt Gas, weil im Abschwung die Kapazitäten dafür da sind.“ Denn das schwächere Neugeschäft setzt auch Kräfte im Unternehmen frei – zum Beispiel dafür, die Entwicklung elektronisch geregelter Einspritzsysteme für die Motoren zu verstärken. Timmermann verspricht: „Im nächsten Aufschwung haben wir dann die modernste Technik in Sachen Effizienz und Umweltfreundlichkeit.“ Das Fazit des MAN-Managers: „So machen wir das Beste aus der Krise.“

Zukunftsmarkt Energietechnik

Ins gleiche Horn stößt die Bosch Rexroth AG in Lohr am Main, Spezialist für Antriebs- und Steuerungstechnik. Die Kunden stehen verstärkt unter Kostendruck – und verlangen moderne Maschinen und Anlagen. „Für diesen Bedarf rüsten wir uns mit Innovationen“, berichtet der Vorstandsvorsitzende Albert Hieronimus.

Das Zauberwort heißt Zusatznutzen: Maschinen sollen einfacher zu bedienen und sicher sein, weniger Energie verbrauchen, insgesamt also wirtschaftlicher werden. Um diese Wünsche der Kunden zu erfüllen, hält Bosch Rexroth die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auch jetzt auf hohem Niveau.

Das Unternehmen leidet zwar unter der Auftragsschwäche im Maschinenbau, profitiert aber von der wachsenden Nachfrage nach erneuerbaren Energien. Mit neuen Werken in Nürnberg und in der chinesischen Hauptstadt Peking verstärkt Bosch Rexroth seit kurzem die Produktion von Großgetrieben für Windräder.

Und die Franken beschäftigen sich noch mit einer anderen  vielversprechenden  Technik, deren Markt erst ganz am Anfang steht: dem Gewinnen von Strom aus Ebbe und Flut.

Joachim Herr

 

Info: Die Lage in der M+E-Industrie

Wegen der Konjunkturschwäche hat sich auch die Situation der bayerischen M+E-Industrie weiter verschlechtert. Das ergab die jüngste Blitzumfrage des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (VBM). Weil es weniger Aufträge gibt, hat jedes zweite Unternehmen vor, in nächs­ter Zeit Beschäftigung abzubauen.

Zunächst werden frei gewordene Stellen nicht mehr besetzt, und die Zeitarbeit wird reduziert. Außerdem hat zuletzt knapp die Hälfte der VBM-Betriebe Kurzarbeit angemeldet. Davon sind 116.000 Beschäftigte betroffen. So versuchen die Betriebe, möglichst viele der seit 2004 geschaffenen Stellen zu sichern (siehe Grafik/Bildergalerie).

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