Innovation

Die Krise klug genutzt


Wie ein Konzern und ein 80-Mann-Betrieb Forschung und Entwicklung vorangetrieben haben

Warum eigentlich liegt in vielen Verpackungen ein Tütchen mit kleinen Kugeln? Sie sind aus dem Mineral „Zeolith“ – und saugen Feuchtigkeit auf. Das Prinzip findet Abnehmer: Jetzt gibt es auch eine Spülmaschine mit Zeolith. Sie braucht ein Fünftel weniger Strom als die bisher sparsamsten Geräte. Weil das Mineral beim Trocknen hilft.

Das Gerät ist ein Beispiel dafür, dass viele Firmen das Krisenjahr 2009 genutzt haben, um Innovationen voranzutreiben: Der Hersteller, Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) mit Hauptsitz in München, hat gut 70 neue Stellen in der Forschung geschaffen. „Wir sparen auf vielen Ebenen“, sagt der für Finanzen zuständige Geschäftsführer Johannes Närger. „Aber nicht bei unseren Investitionen in die Zukunft.“

Großunternehmen BSH: 700 neue Patente

So hielten es in den letzten Monaten auch viele andere Betriebe. Immerhin 17 Prozent der Großunternehmen hatten 2009 bei einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages angekündigt, sie wollten trotz Krise ihre Innovationsanstrengungen steigern.

Für die BSH GmbH spiegelt sich das in der Patent-Statistik wider. Mit mehr als 700 Erstanmeldungen in 2009 belegte sie hierzulande Platz sieben der aktivsten Patent-Anmelder. Kurt-Ludwig Gutberlet, der Vorsitzende der Geschäftsführung, ist stolz: „In der Kategorie der supereffizienten Hausgeräte hat die BSH eine Reihe von ,Energiespar-Weltmeistern’ herausgebracht.“ Wie den Zeolith-Spüler: Er erntete einen „Innovationspreis für Klima und Umwelt“ vom Umweltministerium und dem Industrieverband BDI.

Im Mittelstand lag der Anteil derer, die laut der erwähnten Umfrage trotz Krise mehr Geld in Neues stecken wollen, sogar fast doppelt so hoch wie bei den Großunternehmen – bei 30 Prozent. Bei der Firma Johannes Hübner im hessischen Gießen produzieren 82 Mitarbeiter Antriebs- und Regelungstechnik für den Anlagenbau, etwa „Drehgeber“, die Maschinen steuern. Der Umsatz ist 2009 um ein Fünftel eingebrochen. Trotzdem herrscht in dem Betrieb Aufbruchstimmung. Die Produkte aus dem Bereich Sensorik wurden weiterentwickelt und verbessert.

Zudem hat die Firma den Bereich „elektrische Maschinen“ (Motoren und Generatoren) mit der Entwicklung und dem Bau kompletter Systeme zur Energiegewinnung verknüpft und mit hybrider Technologie ergänzt.

Mittelständler Hübner: Neues Testfeld

Diese Systeme, erklären die Geschäftsführer Dieter Wulkow und Oliver Rüspeler, nutzen Wind, Sonne und Wasser und reduzieren den Verbrauch von Diesel auf ein Minimum. Sie können dort eingesetzt werden, wo es kein Stromnetz gibt und Elektrizität bislang über herkömmliche Dieselgeneratoren erzeugt wird – etwa in abgelegenen Forschungsstationen oder Container-Kliniken. Hübner hat die Fabrikgröße fast verdoppelt und mehr Personal eingestellt.

„Die deutsche Industrie“, betont Wulkow, „kann ihren Stand nur durch das Weiterentwickeln von Hochtechnologien halten.“ Um für den neuen Geschäftsbereich zu forschen, nimmt Hübner in Kürze ein eigenes Testfeld in einer windreichen heimischen Gegend in Betrieb. Auch Hochschulen sollen es nutzen: Die Firma arbeitet eng mit ihnen zusammen und unterstützt sie auch finanziell.

Die Regierung fördere Forschung zu wenig, kritisiert Wulkow, was auch die Industrie spüre. Die Firmen bräuchten mehr unbürokratische Hilfe. Und Rüspeler sagt: „Wir werden aus der Krise herauskommen. Aber es kostet enorme Kraft.“

BA, MBM, JH

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