Kurzarbeit

Die Krise: Hier endet sie, dort fängt sie an


Bei TBT Tiefbohrtechnik sind die Bereiche sehr unterschiedlich betroffen

Dettingen/Erms. Wir nähern uns in kleinen Schritten dem Aufschwung. In der Metall- und Elektro-Industrie legten die Aufträge zuletzt leicht zu, im März um 3,9 Prozent. Wird das Instrument Kurzarbeit bald nicht mehr gebraucht? Ein falscher Schluss. In manchen Bereichen ist Kurzarbeit jetzt erst ein Thema, wie das folgende Beispiel zeigt.

TBT Tiefbohrtechnik in Dettingen/Erms: 190 Mitarbeiter stellen Maschinen und Werkzeuge her. Dort, wo die „Tiefbohrwerkzeuge“ entstehen, herrscht inzwischen wieder Normalbetrieb. Nach einem Jahr Kurzarbeit sind alle wieder voll im Einsatz. Im Maschinenbau dagegen ist es ruhig. Die Kollegen dort haben jetzt erst mit Kurzarbeit angefangen.

Mehr Standbeine, weniger Sorgen

Das Problem haben auch viele andere Maschinenbauer. Die Aufträge aus der Zeit vor der Krise sorgten noch lange für Auslastung, sodass sich die Krise zum Teil erst spät bemerkbar machte.

TBT packt die Situation ganz gut, trotz der aktuellen Flaute im Maschinenbau. Denn der Tiefbohr-Spezialist hat sich schon rechtzeitig verschiedene Standbeine aufgebaut.

Noch vor vier Jahren lieferte der schwäbische Betrieb 70 Prozent seiner Produkte an die Automobil-Branche. Inzwischen sind es nur noch 30 Prozent. Es sind viele Kunden in der Medizin- und Energietechnik dazugekommen. Heute werden mit den Anlagen und Werkzeugen aus Dettingen beispielsweise auch Teile von Kraftwerken bearbeitet, wie „Turbinenläufer“ und „Hochdruckrohre“.

Was Tiefbohren ist, erklärt der für Produktion zuständige Geschäftsführer Hermann Randecker so: „Hier ist die Bohrung mindestens zehnmal tiefer als der Durchmesser.“ Der dünnste Bohrer von TBT misst einen halben Millimeter. Spezialmaschinen schaffen sogar Bohrungen mit bis zu einem Meter Durchmesser – die sind dann mindestens zehn Meter tief. Eine Anlage für solche Bohrungen ist schon mal 30 Meter lang.

Den Kunden fehlt zum Teil das Geld

Dass die Werkzeuge schon wieder stärker gefragt sind, hat folgenden Grund: Die Kunden bauten im vergangenen Jahr ihre Lager ab. Das ließ den Umsatz bei TBT in 2009 von 40 auf 33 Millionen Euro sinken. Jetzt brauchen die Abnehmer Nachschub. Neue Maschinen aber werden nur zögerlich bestellt. „Den Kunden fehlen häufig die Mittel dafür, weil sie wegen der Kreditklemme Liquiditätsprobleme haben“, so Wolfgang Klein, der für den Vertrieb verantwortliche Geschäftsführer.

Für solche Fälle trifft es sich gut, dass das Unternehmen auch seine Dienste als Lohnfertiger anbietet. Es erledigt zum Beispiel Aufträge für Kunden, die auf eine bestellte Maschine warten oder für die sich der Kauf einer Anlage nicht rechnet.

Geschäftsführer Klein ist zuversichtlich, dass es auch im Maschinenbau bald wieder mehr zu tun gibt. Bis dahin freut er sich, dass die Bun- desregierung das Instrument Kurzarbeit weiterhin fördert.

Übrigens ...

Wir sind Weltmeister

Deutschland exportierte auch 2009 so viele Maschinen wie kein anderes Land der Welt. Die deutschen Hersteller verkauften Anlagen im Wert von 111 Milliarden Euro ins Ausland. Insgesamt beschäftigen sie etwa 900.000 Mitarbeiter.

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