Generation 60 Plus

Die Kraft der Erfahrung


Das Wissen älterer Mitarbeiter ist für die Betriebe ein wertvoller Rohstoff

Frankfurt. Ganze 40 Jahre hat Mile Petrovic (65) beim Armaturenspezialisten Christian Bollin in der Produktion gearbeitet, zum Teil hochkomplizierte Einzelteile für Armaturen angefertigt.

Im April ist er mit 65 Jahren in Rente gegangen, freut sich auf seinen Schrebergarten und Reisen. „Aber wenn die Bezahlung stimmt, kann ich mir auch vorstellen, noch ein bisschen bei Bollin zu arbeiten, denn eigentlich fühle ich mich doch topfit“, so der gelernte Dreher.

Sein Chef Bernd Flade, der das Unternehmen (30 Mitarbeiter) gemeinsam mit seiner Frau Dagmar Bollin-Flade leitet, hält viel von der Qualifikation der Älteren. Vor kurzem erst stellte er einen 59-Jährigen ein. Damit liegt er voll im Trend.

Laut Bundesagentur für Arbeit ist die Beschäftigungsquote Älterer in den vergan-genen Jahren gestiegen. Unter den 50- bis 64-Jährigen liegt sie bei 44 Prozent. Zum Vergleich: Die Beschäftigungsquote aller Personen im erwerbsfähigen Alter (15 bis 65 Jahre) beträgt 51 Prozent. Allein in Hessen schätzt die Bundesagentur das zusätzliche Potenzial auf 100.000 ältere Arbeitnehmer.

Spezialisten fürs Knifflige

Auch bei Sirona in Bensheim (rund 1.260 Mitarbeiter) stellen Ältere einen wesentlichen Teil der Belegschaft. „Sie sind für den Erfolg des Unternehmens unverzichtbar. Insbesondere ihr Wissen und ihre langjährige Erfahrung werden vor allem für schwierigere Projekte gebraucht“, erläutert Bernhard Blauth, Personalleiter des Dentalherstellers.

Zu ihnen zählen auch Gerhard Stadler (64) und Otto Schuster (63): „Wir gehörten 1962 zu den ersten Lehrlingen am Standort.“ Stadler lernte Mechaniker und machte später seinen Meister. Schuster ist Werkzeugmacher und Maschinenbautechniker.

Auch als Opa gefragt

Seit mehr als 40 Jahren arbeiten beide in Konstruktion und Fertigungsplanung. Sie arbeiten mit CAD und schreiben Programme für die Produktionsmaschinen.

Altersteilzeit hat sie bisher nicht interessiert: „Aber ab 65 wäre das vielleicht ganz spannend, wenn das möglich wäre“, meint Stadler. Auch Schuster kann sich das vorstellen. „Schließlich möchte ich mehr Zeit für meine vier Enkel haben.“

„Es sind eher Frauen, weniger Männer, die sich für die Altersteilzeit interessieren“, sagt Jürgen Walter. Der 60-jährige Betriebsratsvorsitzende des Leuchtenspezialisten Zumtobel Lighting in Usingen hat seinen Arbeitsplatz in der Fertigungsplanung: „Solange es meine Gesundheit erlaubt, mache ich weiter. Für Ältere wird hier viel getan.“ In der Produktion sind Montageplätze und Sitze höhenverstellbar, Hubsysteme helfen bei Schwerem und manches mehr. Fünf Arbeitsplätze wurden für leistungsgeminderte Mitarbeiter eingerichtet. Walter: „Schließlich werden wir alle älter.“

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