Gesundheit

Die Jäger der Grippe-Viren


Wie GSK Biologicals in Dresden mit großem Aufwand an noch wirksameren Impfstoffen arbeitet

Von der Natur lernen hat Zukunft: Mehr als 70 Unternehmen entwickeln allein in Sachsen Produkte mit Hilfe der Biotechnologie. Über diese Boom-Branche, die im Oktober auch das Thema eines „Zukunftsgesprächs“ des Verbandes der Chemischen Industrie in Dresden war, berichtet AKTIV anhand von zwei Beispielen.

Dresden. Es ist Herbst, der Wind pfeift ungemütlich durch die Kleider. Die Medien erinnern  uns  pausenlos  daran,  dass die Grippe-Saison vor der Tür steht. Viele fragen sich: „Impfen oder nicht?“

Die ersten Schutzimpfungen gab es schon vor gut 70 Jahren. Und ihre Herstellung ist Biotechnologie – auch wenn es das Wort damals noch nicht gab. Mitte der 70er-Jahre stieg das damalige „Sächsische Serumwerk“ in die Produktion ein – das 1992 vom britischen Pharmahersteller GlaxoSmithKline übernommen wurde und jetzt GSK Biologicals heißt. Der Geschäftsführer des Werks, Peter Schu, verdeutlicht das Potenzial: „Der Weltmarkt ist zuletzt rasant gewachsen, er liegt jetzt bei 500 Millionen Dosen im Jahr.“ Fast alle Hersteller reagierten mit Erweiterung. Auch bei GSK in Dresden, einem der bedeutendsten Impfstoff-Werke der Welt, wurden jetzt 100 Millionen Euro investiert; weitere Investitionen sind in Vorbereitung.

250 neue Arbeitsplätze

Im Gegensatz zur Erkältung ist die Grippe („Influenza“) eine schwere Infektionskrankheit. Ärzte empfehlen Schutzimpfungen vor allem bei über 60-Jährigen, bei chronisch Kranken sowie bei medizinischem Personal und bei Menschen, die mit vielen Personen Umgang haben.

In mehr als 70 Länder, je nach  Saison mehr für die Nord- oder Süd-Halbkugel, liefert das Dresdner Werk Grippe-Impfstoff. Die neuen Anlagen, die jetzt hochgefahren wurden, sind bei laufender Produktion in das Werk integriert worden. „Statt der üblichen 42 Monate brauchten wir nur 30 Monate dafür“, berichtet Geschäftsführer Schu. Ermöglicht hätten das „die Leistungsfähigkeit unserer Ingenieure und Mitarbeiter“ sowie die zügige Genehmigungspraxis der sächsischen Behörden.

 

650 Mitarbeiter, 250 mehr als bisher, werden künftig jährlich bis zu 70 Millionen Dosen produzieren – also ein Siebtel der derzeitigen globalen Nachfrage. In drei Schichten, sechs Tage die Woche. Mehr als 50 Auszubildende erleben hier den Einstieg in ihr Berufsleben.

Hergestellt wird der Impfstoff bislang noch nach dem herkömmlichen Verfahren. Von den drei aktivsten GrippeVirusstämmen, welche die  Weltgesundheitsorganisation WHO alle sechs Monate neu ermittelt, werden aufgereinigte und abgetötete Viren-Teile („Antigene“) in normalen Hühnereiern vermehrt. Anschließend werden sie geerntet und in  einem technisch aufwendigen Prozess zum Impfstoff verarbeitet.

Auch Vogelgrippe im Visier

Das Werk steht auch für den eventuellen Grippe-Gau bereit. Seitdem die Vogelgrippe durch die Welt geistert, diskutieren Experten über die Möglichkeit einer Pandemie – einer weltweiten Epidemie durch hochansteckende, mutierte Influenza-Viren. GSK hat mit seinem in Dresden hergestellten Impfstoff als einziges Unternehmen eine Zulassung in Europa.

Um für den Wachstums-Markt gut gerüstet zu sein, wird weiter getüftelt. Weitere Investitionen und zusätzliche Stellen sind geplant. „Gegenüber vom heutigen Werk sollen in wenigen Jahren Grippe-Impfstoffe einer neuen Generation produziert werden“, verrät Schu. Die Antigene werden dann statt in Hühnereiern in Zelllinien per „Bioreaktor“ vermehrt. Gleichzeitig sollen neuartige Grippe-Impfstoffe durch Zugabe spezieller Emulsionen noch wirksamer werden als heute.

Uwe  Rempe

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