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Die Industrie kann auch "Bio" sein


Prignitzer Chemie verarbeitet unter anderem Kokosöl nach den Standards der "EG-Öko-Verordnung"

Wittenberge. Blitzblank blinken die neuen Rohrleitungen an der Produktionsanlage der Prignitzer Chemie GmbH. „Die sind extra für unsere ,Bio’-Produkte installiert worden“, sagt Marketing- und Vertriebsleiter Wolfgang Krüger.

„Bio“-Produkte aus der Chemie? Das geht! Die Firma verarbeitet verschiedene Pflanzenöle zu Fettsäuren und Glycerin. Ist der Rohstoff „Bio“, kann auch das Endprodukt gemäß der „EG-Öko-Verordnung“ der Eu­ropäischen Union als „Bio“ ausgezeichnet werden.

Spezielle Öle für „Power-Riegel“

„Es kann“, unterstreicht Krüger. Denn dazu muss die Firma den Rohstoff besonders sorgsam verarbeiten – und zertifiziert sein. Die Prignitzer Chemie in Wittenberge (Brandenburg) ist das einzige deutsche Chemie-Un­terneh­men, das die entsprechenden Standards er­füllt. Zum Beispiel eben se­parate Bio-Leitungen.

Die ersten 300 Tonnen „Bio“-Kokosöl aus Südostasien sind schon eingetroffen. Bei rund 250 Grad wird es im Spaltturm in Fettsäuren und Glycerin ge­trennt. Dann wird das Glycerin konzentriert. Und die Fettsäuren trennt man per Destillation in die diversen Arten.

 

Gebraucht werden diese Produkte etwa als Zusatz in der Lebensmittel- und Pharma-Industrie, bei der Waschmittel- und Kosmetik-Herstellung. „Seit über zwei Jahren stellen wir auch MCT-Öl her“, so Krüger. Dieses Produkt aus speziellen Fettsäuren und reinem Glycerin wird etwa in „Power-Riegeln“ eingesetzt. Ihre Fette können zügig und 100-prozentig in Energie umgewandelt werden.

Jeder Vierte ist ein Azubi

Jährlich 20.000 Tonnen Produkte stellt die Firma her, die zur Hamburger Cremer-Gruppe gehört. Ein Drittel geht in den Export – das bedeutet lange Transportwege etwa zum Rotterdamer Hafen. Der Vertriebschef stellt klar: „Diesen Standortnachteil können wir dadurch ausgleichen, dass wir als Mittelständler flexibel und mit gutem Service auf Kundenwünsche reagieren.“

Die Produktion ist zudem als „koscher“ und „halal“ zertifiziert, kann also auch in der jüdischen und arabischen Welt mit ihren Speisevorschriften be­denkenlos genutzt werden.

60 Mitarbeiter beschäftigt der Betrieb. „Mittlerweile sind fast alle bei uns ausgebildet“, er­zählt Krüger. 1994 wurde der erste Lehrling eingestellt, weil man vor Ort keine Fachleute fand. Aus der Not wurde Tu­gend: Inzwischen ist ein Viertel der stetig wachsenden Belegschaft in Ausbildung. Alle werden, wenn die Leistung stimmt, übernommen.

Uwe Rempe

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