Metall und Elektro

Die Herren der Ringe


Schmiedeteile von Platestahl sind gefragt - auch in der Luftfahrt

Handys aus, Sicherheitsgurte umgeschnallt. Die Stewardess prüft die Ge­päckfächer, die Triebwerke heulen auf – Start! Der Airbus A 320 gibt Gas, hebt ab.

Da wird den Triebwerken alles abverlangt. In denen fliegt auch Technik Made in Lüdenscheid mit: Das Unternehmen Platestahl liefert Dichtungsringe, Gehäuseteile und Turbinenscheiben für den Düsenflieger. Die traditionsreiche Schmiede gehört zu den wenigen Firmen weltweit, die gewalzte Produkte für die Luft- und Raumfahrt herstellen.

Der A 320 ist der am meisten verkaufte Passagierjet von Airbus. Und der wird seit Juni auch in der chinesischen Freihandelszone Tianjin montiert. Vier Stück pro Monat peilt der Airbus-Konzern zunächst an, um den Riesenbedarf der fernöstlichen Fluggesellschaften zu decken.

Die Zulieferteile aber kommen nach wie vor aus Europa. „Und das dürfte in den nächsten 10 bis 15 Jahren so bleiben“, hofft Platestahl-Geschäftsführer Stefan Heimöller. Airbus ist jedoch nicht der einzige Kunde aus der Luft- und Raumfahrt. So verkaufen die Lüdenscheider auch Teile für den Kampfjet Eurofighter und für die Ariane-Rakete.

Diese Lieferungen machen zwar nur 10 Prozent des Umsatzes aus. Doch sie sind wichtig fürs Renommee. Heimöller: „Unsere Meisterstücke.“ Die halten Temperaturen bis zu 1.500 Grad aus. Und solche Teile walzen – „das kriegen nur wir in Europa hin“.

Größte Investition der Firmengeschichte

Die meisten Ringe gehen freilich an Maschinenbauer, etwa als Drehteile für Zahnräder, Wälzlager, Turbinen und Zentrifugen. Und neuerdings auch an die Windkraft-Industrie.

Gleichwohl hat Platestahl, wie viele andere Betriebe der Metallbranche auch, unter einem zweistelligen Umsatzrückgang zu leiden. Doch die Firma sieht die Krise auch als Chance. Um Arbeiten zu erledigen, die in guten Zeiten oft hinten anstehen.

Wenn es keine Ringe zu schmieden gibt, räumen die Mitarbeiter den Keller auf, streichen Maschinen an und bilden sich für die Bedienung der neuen Technik weiter, die Platestahl nun anschafft.

Denn die Firma investiert – so viel wie nie. 6,5 Millionen Euro allein in diesem Jahr. Ein Grund: Maschinen sind jetzt günstig zu haben. Das Unternehmen leistet sich eine neue Halle, eine Kreissägeanlage, Öfen und Drehmaschinen sowie eine Druckluftkompressor-Station. Weil die neue Station die Kompressoren nach Bedarf flexibel ab- und zuschaltet, spart allein sie Strom für 40.000 Euro pro Jahr. Eine Schmiede verbraucht viel Energie: Vor allem da sollen die Kosten sinken. Keine Angst vor den Chinesen „Der Moment sei ideal zum Investieren“, meint auch Betriebsratsvorsitzender Walter Kompert. „So werden wir noch besser.“ Angst vor einer Konkurrenz aus China hat er nicht: „Wir sind ein guter Standort.“

 

Info: Platestahl Umformtechnik GmbH

Das Familienunternehmen Platestahl in Lüdenscheid beschäftigt 230 Mitarbeiter, darunter 14 Auszubildende. Die Firma setzte im vergangenen Jahr 90 Millionen Euro um – vor allem mit nahtlos gewalzten und geschmiedeten Ringen. Platestahl verarbeitet rund 30.000 Tonnen Stahl im Jahr zu Ringen mit einem Gewicht zwischen 1 und 1.500 Kilo.

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