Technik

Die Heizkosten im Blick


Große Sparer: Mini-Pumpen aus Westfalen schonen den Geldbeutel

Gökhan Sen geht mit dem Mikro ganz nah ran an die kleine Pumpe. Sie surrt vor sich hin. So leise, dass sie gar fürs Schlafzimmer taugt. So soll es auch sein, meint der Ingenieur für Akustik, denn: Sein Arbeitgeber, die Firma Wilo, will das Kellerkind Pumpe in die Stube holen.

Geht es nach dem Willen des Dortmunder Herstellers, soll jeder Heizkörper seine eigene Mini-Pumpe erhalten – und ein Steuergerät. Individuell programmiert, holt sich der Heizkörper nur dann warmes Wasser aus der Therme, wenn es gerade gebraucht wird: morgens fürs Bad, abends fürs Wohnzimmer.

Sparen und kassieren

Das schont den Geldbeutel: Das neue dezentrale Pumpensystem „Geniax“ benötigt ein Fünftel weniger Öl oder Gas zum Heizen.

Ein Beispiel für die Innovationskraft des Familienunternehmens, das die Arbeitsplätze auch in der Krise gesichert hat. 2009 gab es bei Wilo weder Entlassungen noch Kurzarbeit, alle Auszubildenden wurden übernommen.

Trotzdem: Auch Wilo bekam die Krise zu spüren. Vor allem in Osteuropa brach der Absatzmarkt ein. Der BauBoom der letzten Jahre ist vorerst vorbei. Im Hauptmarkt Deutschland blieb die Nachfrage dagegen recht stabil.

Und die Zukunftsaussichten dürften gut sein: Mehr als zwei Millionen Heizungen in deutschen Gebäuden haben über 25 Jahre auf dem Buckel. Schlecht gedämmte Häuser verbrauchen mit ihren Uralt-Schätzchen mehr als 30 Liter Öl pro Quadratmeter und Jahr (beim Niedrigenergiehaus sind es deutlich unter 10 Liter). Die hohen Nebenkosten zwingen die Eigentümer also zum Handeln.

„Eine Modernisierung sollte bei der Pumpe anfangen“, empfiehlt Ingenieur und Projektleiter Thorsten Kettner: „Im Vergleich zu neuen Fenstern oder einer Wärmedämmung amortisiert sich Geniax schnell.“ Hinzu kommt: Rüstet man seine Heizung mit Geniax nach, gibt es Geld von der staatlichen Förderbank Kfw.

Auch die Elektronik stammt aus Dortmund

Wilo hat in den letzten beiden Jahren jeden vierten Forschungs- und Entwicklungs-Euro in das System investiert, das letzten Sommer auf den Markt kam. Kaufte neue Anlagen, bildete Mitarbeiter weiter, stellte  Fachkräfte ein.

Kettner: „Eine kleine Pumpe hat es in sich, mehr noch als eine große. Da muss man aufpassen, dass sich selbst kleinste Partikel aus dem Heizungswasser nicht festsetzen.“ Deshalb ließen sich die bisherigen Produktionsverfahren nicht eins zu eins übertragen. „Da braucht man fast schon Mikrotechnik.“

Die Mühen haben sich gelohnt. André Nickel, verantwortlich für das Marketing von Geniax, freut sich über eine gute Resonanz: „Bis Ende 2009 haben wir schon zahlreiche Gebäude ausgestattet, darunter das Haus des Ingenieurverbands VDI.“

In Dortmund wird auch das komplizierte Innenleben der Pumpe hergestellt, hier befindet sich die Elektronikfertigung für alle Wilo-Fabriken weltweit. Made in Westfalen ist international wettbewerbsfähig: Sogar die Werke in Indien, Südkorea und China beziehen die Elektronik aus dem Ruhrpott.

 

Infos zur „Kfw-Pumpenprämie“ gibt es im Netz: www.kfw-foerderbank.de (unter Förderprogrammnummer „431“); www.wilo.de (unter „kfw“)

Info: Wilo

Das Familienunternehmen Wilo gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Pumpen für Heizung, Klima, Wasser und Kühlung. 58 Prozent der Produkte werden in der Gebäudetechnik eingesetzt, der Rest in Wasserwirtschaft und Industrie-Anlagen. Die Firma mit Sitz in Dortmund hat Töchter in über 70 Ländern und beschäftigt mehr als 6.000 Mitarbeiter, fast 1.900 von ihnen an drei Standorten in Deutschland. 2008 betrug der Umsatz 977 Millionen Euro.

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