Industrie und Klima

Die Heizer mit dem grünen Herzen


Können Firmen klimafreundlich produzieren? Klar!

Allendorf (Eder). Markus Böhm ist ein freundlicher junger Mann von 35 Jahren. Korrekter Haarschnitt, randlose Brille, in seiner Freizeit geht er Reiten oder spielt mit seinen  zwei kleinen Söhnen. Der ältere der beiden ist zwar gerade erst zwei Jahre alt. Doch  für  den  Fall,  dass  der mal eines Tages fragen sollte, was sein Papa denn den lieben langen Tag so macht in der Firma, hat sich Böhm die Antwort schon parat gelegt: „Ich sorge dafür, dass deine Umwelt später noch genauso lebenswert ist wie heute.“

Böhm ist „Energiemanager“ beim Heizungsbauer Viessmann im nordhessischen Allendorf (Eder).  „Mein Job ist es, für eine möglichst effiziente Nutzung der eingesetzten Energie in unserer Produktion zu sorgen. Also Energie zu sparen und damit auch das Klima zu schonen“, sagt Böhm.

Ganz offensichtlich machen er und seine Kollegen bei Viessmann ihren Job ziemlich gut. Innerhalb von nur drei Jahren gelang es dem Unternehmen, den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) um 32 Prozent zu reduzieren! Und wenn im nächsten Jahr eine gerade im Bau befindliche moderne Biogasanlage in Betrieb geht, will Viessmann seine Heiztechnik-Geräte sogar mit 40 Prozent weniger CO2-Emission produzieren als noch 2005.

Mehr Tageslicht spart Strom

Was die Bundesregierung erst für das Jahr 2020 als Ziel anpeilt, schaffen die Allendorfer also bereits 2009. Zugegeben – das Unternehmen kocht keinen Stahl, produziert kein Aluminium, ist kein Betrieb der chemischen Industrie, die für ihre Produkte naturgemäß extrem viel Energie braucht. Aber das Beispiel zeigt, was möglich ist, wenn die Rahmenbedingungen günstig sind.

 

Wie eben bei Viessmann: Im Rahmen seines Programms „Effizienz plus“ stellte das Unternehmen seine komplette Produktion auf den Kopf. Kaufte neue Maschinen mit energiesparenden Antrieben.  Verringerte die Produktionsfläche durch eine pfiffige Neuanordnung um mehr als 30.000 Quadratmeter. „Jetzt muss weniger Raum geheizt werden“, erklärt Energiemanager Böhm.

Eine neue Dachkonstruktion erhöhte den Einfall von Tageslicht. „Wir beleuchten nur noch künstlich, wenn’s draußen zu dunkel wird“, sagt Böhm.

Ergebnis: Fast 8.000 Megawattstunden Energie pro Jahr gespart, knapp 4.000 Tonnen klimakillendes CO2 weniger in die Luft  geblasen.

Hackschnitzel-Kessel und Solar-Thermie

Selbst die an Prüfständen anfallende Abwärme wird jetzt  genutzt und dem Heizsystem  wieder zugeführt. Spart 850 Tonnen Treibhausgas ein.

Viessmann spart also Energie wie ein Weltmeister. Und  setzt darüber hinaus auf erneuerbare Energien. In der neuen Energiezentrale sorgen daher auch eine thermische Solaranlage, Wärmepumpen und zwei Hackschnitzelkessel für Strom und Wärme. Der Einsatz von Öl und Gas konnte so um mehr als 40 Prozent gesenkt werden, mit der Biogasanlage werden es 50 Prozent sein.

Das spart bares Geld: „Schon in acht Jahren werden sich unsere Investitionen in effiziente Anlagentechnik durch Energieeinsparung  amortisiert haben“, glaubt Firmensprecher Uwe Wilke.

220 Millionen Euro hat sich Viessmann sein Programm „Effizienz Plus“ bislang kosten lassen.  „Wir wollten zeigen, welche Klimaschutz-Potenziale mit am Markt verfügbarer Technik erreicht werden können“, sagt Wilke. „Die Politik hat die Ziele vorgegeben. Wir haben bewiesen, dass man sie  umsetzen kann. Auch als großes Industrie-Unternehmen mit 3700 Mitarbeitern in Allendorf.“

Ulrich Halasz

 

Die CO2-Bilanz

 Industrie ist Vorreiter beim Umweltschutz

Berlin. Der Heiztechnik-Spezialist Viessmann und sein ehrgeiziges Klimaschutz-Programm – natürlich ist das ein ganz spezieller Fall. „Aber auch sonst ist die deutsche Industrie mit ihren klimaschonenden Technologien der Problemlöser in Sachen Klimaschutz!“, betont Martin Schröder, Experte beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).

Kein anderes Land der Welt reduziere den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen deutlicher als Deutschland. „Und den größten Anteil daran hat ganz klar die Industrie“, betont Schröder.

Hinter Japan auf Rang zwei

Die Zahlen, die im Rahmen der BDI-Initiative „Wirtschaft für Klimaschutz“ erhoben wurden, geben ihm recht. Rund eine Milliarde Tonnen Treibhausgas wurden in Deutschland im Jahr 2004 insgesamt freigesetzt. Auf das Konto des Industrie-Sektors gingen davon rund 36 Prozent, zählt man direkte und indirekte Emissionen zusammen. Trotz rasant gestiegener Produktion hat die Industrie für sich genommen ihre Emissionen seit 1990 um 23 Prozent gesenkt.

Zwar ist ein Teil des Rückgangs auf die Wiedervereinigung zurückzuführen. In deren Folge wurden alte, ineffiziente Anlagen zügig durch sauberere ersetzt.

Doch auch im Westen hat sich enorm was getan. Emissionen gespart haben gerade die energieintensiven Branchen. So reduzierte die chemische Industrie ihren Ausstoß im Vergleichszeitraum um 39 Prozent, die Zementbranche kam mit 18 Prozent weniger aus, die Stahlindustrie emittierte 14 Prozent weniger.

Der Rückgang gelang durch Maßnahmen in den Produktionsabläufen und konsequentes Energiesparen. „In Sachen Energieeffizienz liegen wir hinter Japan auf Platz zwei“, sagt BDI-Klima-Referent Schröder.

Die deutsche Industrie sei zudem Weltmarktführer  bei klimaschonenden Technologien. Schröder: „Mit unseren Produkten und unserer Lösungskompetenz können wir so weltweit zu noch mehr Klimaschutz  beitragen.“

UH

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