Standpunkt

Die Guten und die Bösen

Mit der Moral ist das so eine Sache. Zum Beispiel im Sport

Für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika braucht die deutsche Mannschaft einen neuen Chef vom Dienst. Ein übles Foul hat Michael Ballack außer Gefecht gesetzt.

Schon vor acht Jahren konnte er im WM-Endspiel gegen Brasilien nicht dabei sein. Beziehungsweise: Er durfte nicht. Im Halbfinale hatte er einen südkoreanischen Gegenspieler durch ein immerhin abmahnungsreifes Foul am Tor gehindert. Und zwar im klaren Bewusstsein der Verwerflichkeit seines Tuns: umsäbeln wegen Erfolgsgefahr.

Dass ihm dies die zweite Gelbe Karte des Turniers und damit die Sperre für das nächste Spiel seiner Mannschaft eintragen würde, hatte er mitbedacht. Und so wurde er damals für sein Foul umgehend von uns allen, die wir den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft wünschten, als Held betrachtet. Michael Ballack hatte auf seinen Auftritt im Endspiel verzichtet – um seiner, unserer Mannschaft die Teilnahme zu sichern.

Auch wegen solch harter Konsequenzen kann man den Eindruck haben, dass den internationalen Fußball-Verbänden am sauberen Spiel durchaus gelegen ist. Beim Formel-1-Zirkus hingegen gehen die Organisatoren, um das unsaubere Interesse des Publikums an Karambolagen zu bedienen, auch gegen gefährliche Regelverstöße nicht wirklich vor. Und in vielen Damen-Sportarten zeigen sich die Funktionäre um das Wohlbefinden des Publikums gerne auch dadurch besorgt, dass sie knapp geschnittenes, nabelfreies Outfit vorschreiben. Gibt es unter den so als Gratis-Reizfiguren genutzten Sportlerinnen denn keine mit wenigstens feministischen Bedenken?

Und noch eins zur Fußball-Nationalmannschaft: Im guten alten Schwarz-Weiß (oder was immer man sich diesmal neu einfallen lässt) wird in Südafrika auch ein Spieler auflaufen dürfen, der vor Monaten seinen Kapitän, Michael Ballack, geohrfeigt hat, weil dieser ihn in Wahrnehmung seiner Aufgabe zurechtgewiesen hatte.

Wer eine berechtigte Ermahnung nicht nur nicht einstecken kann, sondern sie auch noch zuerst mit verbaler („Beweg dich doch selber, du Arschloch!“) und sodann mit tätlicher Unflätigkeit quittiert, der gehört in kein Team. Und zwar schon rein moralisch nicht, also nicht erst wegen der Folgen für die wechselseitige Achtung unter guten Kameraden.

Dass der eine nicht bei der WM dabei sein kann, ist Schicksal. Dass der andere dabei sein darf, ist Schlendrian um des Erfolges willen.


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