Freie Fahrt für starke Jungs

Die Gießerei Dossmann wirbt mit einem Auto um Nachwuchs

Walldürn/Rippberg. Stolz steht Dimitrij Ritter (21) vor seiner fertigen Form. Zuvor hat er Sand mit Harz vermischt, in Formen geschaufelt, festgerüttelt und geglättet. Das ist ja fast wie auf dem Spielplatz – dabei geht es hier richtig zur Sache. In die Sandform kommt die glühende Eisenschmelze, so entsteht ein tonnenschweres Gussteil.

„Der Formenbau macht mir am meisten Spaß“, sagt der angehende Gießereimechaniker. „Ich wollte einen technischen Beruf lernen und bin bei einer Lehrstellenbörse auf Dossmann gekommen.“ Nach einem Schnupperpraktikum war dann alles klar.

Noch mehr Spaß macht Dimitrij seine Arbeit, seit er jeden Morgen mit seinem Firmenwagen vorfährt. Den schicken Smart mit der Aufschrift „Heißes Eisen“ hat der junge Mann seinem Arbeitgeber zu verdanken.

Denn wegen der ländlichen Lage in Rippberg bei Walldürn tut sich die Gießerei Dossmann mit der Suche nach geeigneten Bewerbern zunehmend schwer. „So kamen wir auf die Idee mit dem Azubi-Auto“, erklärt Geschäftsführer Jörg Doßmann: „Wir stellen jedem Azubi für die Zeit der Ausbildung einen Smart zur Verfügung.“

Wer den kleinen Flitzer nutzen will, zahlt einen Obulus von seinem Azubi-Gehalt, dafür sind Wartung und Tankkarte inbegriffen, bis zu 15.000 Kilometer im Jahr. Dimitrij findet das klasse. Zwar liegt sein Heimatort Buchen nur knapp 20 Kilometer entfernt. Bei seiner täglichen Arbeitszeit von 6 Uhr bis 14:30 Uhr wäre er jedoch ohne Fahrzeug aufgeschmissen.

Von den 165 Mitarbeitern im Unternehmen sind 14 Azubis. Etwa 80 Gussteile verlassen täglich die Gießerei. Sie wiegen bis zu acht Tonnen und werden etwa in Schiffsmotoren oder Windkraftanlagen eingebaut.

„Hochwertige Produkte können wir nur mit gut ausgebildeten Fachkräften produzieren“, so Doßmann. Doch nicht nur bei den Gießereimechanikern gibt es immer weniger Bewerber. „Für den Beruf des technischen Modellbauers konnten wir zwei Jahre lang keinen geeigneten Interessenten finden“, sagt der Geschäftsführer. „Dabei ist das ein anspruchsvoller Beruf in einem tollen Umfeld.“

Das findet auch Lisa Speth (19). Hier in der Werkstatt fühlt sie sich richtig wohl. Gerade arbeitet sie an einem Modell für ihre Prüfung.„Das Umsetzen einer Zeichnung in ein 3-D-Modell ist ganz schön knifflig“, erklärt Ausbilder Philipp Schell (24). „Ob ein Bewerber die Voraussetzungen mitbringt, zeigt sich beim Praktikum“, so der frischgebackene Meister und stellvertretende Abteilungsleiter. Er ist ein Beispiel dafür, wie schnell man in einem gewerblich-technischen Beruf aufsteigen kann.

Auch auf Facebook ist der Betrieb präsent

Auch sein Kollege in der Gießerei ist auf dem Weg nach oben: Manfred Fankhauser ist mit gerade mal 27 Jahren bereits Abteilungsleiter in der Gießerei und Ausbilder: „Viele Jugendliche haben falsche Vorstellungen von unserem Beruf“, meint er.

Doßmann will das ändern: „Wir gehen in die Schulen, auf Bildungsmessen, und wir sind neuerdings auch auf Facebook präsent“, sagt der Firmenchef. „Jetzt hoffen wir auf viele Bewerbungen.“


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