Buntes Blech für Haiti

Die Firma Utsch presst für den Karibik-Staat 30.000 Autokennzeichen am Tag

Siegen. Hellblau für die Polizei, rot für den Handel, dunkelblau für privat, grün für eine zeitlich begrenzte Zulassung – und rosa für den Präsidentenpalast!

Die Nummernschilder von Haiti sind eine Augenweide. „Wir machen 30.000 Stück pro Tag: ein Großauftrag“, erzählt Dennis Haag, Vorarbeiter im Siegener Unternehmen Utsch. In seiner Abteilung werden die Bleche zugeschnitten. Ganz Haiti, 1,2 Millionen Fahrzeuge, wird demnächst damit fahren.

Wie auf der karibischen Insel kommen in vielen Staaten der Welt die Kennzeichen für alles, was Räder und einen Motor hat, ausschließlich aus Siegen. Denn Utsch ist in der Branche Weltmarktführer. Man pflegt Geschäftsbeziehungen in über 130 Länder. Einige prägen die Schilder selbst, aber auf Rohlingen und Maschinen von Utsch. Denn die Siegener liefern sowohl Autokennzeichen als auch die Fertigungstechnik. Und sie haben gut zu tun: Weltweit werden über 85 Millionen neue Fahrzeuge jährlich angemeldet.

Schwellenländer sind scharf auf allerlei technische Finessen: zum Schutz vor Fälschungen

Die haitianischen Autokennzeichen, die bei Haag aus den Prägepressen purzeln, sind nicht nur so bunt wie Geldscheine, sondern auch so fälschungssicher. „Auf der farbigen Folie wird ein Hologramm angebracht“, erklärt Vorarbeiter Haag. „Und wir lasern auch eine fortlaufende Nummer auf das Schild.“

Manche Länder wollen noch mehr: Wappen, UV-Markierungen, Barcodes, Wasserzeichen. Kennt man in Deutschland so nicht – aber die Regierungen von Schwellenländern sind scharf auf technische Finessen, schließlich sind dort viele Fälschungen im Umlauf. Deshalb macht sich Utsch nicht nur Freunde: Korrupte Polizisten verlieren eine Einnahmequelle. Kriminelle und Terroristen haben es schwerer, sich zu tarnen. „Ein Autokennzeichen ist kein Stück Blech, sondern ein amtliches Dokument“, betont Firmeninhaber Manfred Utsch.

Die neueste Entwicklung sind Schilder mit RFID-Technik. „Auf Messen sind die der Renner“, sagt Utsch. Ein Funkchip speichert die Seriennummer, sodass man sie auf Distanz auslesen kann und in einer Datenbank die Infos zum Fahrzeug findet. So lässt sich von weitem feststellen, ob es auf ein gesichertes Gelände darf; auch Maut- und Tankbetrüger sind chancenlos.

In der Demokratischen Republik Kongo baut die Siegener Firma derzeit ein komplett neues System der Fahrzeug-Registrierung auf. „Wenn ein Wagen nicht mehr fuhr, wurde er nicht abgemeldet, sondern im Graben abgestellt und Schluss“, erzählt Holger Lang, zuständig für den Vertrieb in Europa und im französischsprachigen Teil Afrikas. Jetzt bekommen die Zulassungsstellen Computer und Software, um die Daten mit einer Datenbank abgleichen zu können: „Wir haben mit einem Partner eine Niederlassung eröffnet und die Leute bei uns geschult.“

Von nüchtern bis zu verspielt und chic

Der Mittelständler begnügt sich also nicht mehr damit, Nummernschilder zu pressen. „Wir wollen Systemanbieter werden und von der Zulassung bis zur Entsorgung ungültiger Kennzeichen dem Kunden alles liefern“, sagt Firmenchef Manfred Utsch.

Die Autokennzeichen spiegeln auch Geschichte und Kultur eines Landes wider. So gibt es nüchterne, bunte, verspielte und schicke. Die für Nordwestkanada haben die Form eines Eisbären, Haiti wirbt als „Perle der Antillen“. Utsch: „Wir bedienen den Nationalstolz.“


Firmen-Steckbrief

Engagiert in 130 Ländern: Firmeninhaber Manfred Utsch. Foto: Wirtz
Engagiert in 130 Ländern: Firmeninhaber Manfred Utsch. Foto: Wirtz

Eine viertel Milliarde Euro Jahresumsatz

  • Die Erich Utsch AG Kennzeichen- und Registrierungssysteme hat 50 Töchter und Joint Ventures auf allen Kontinenten.
  • Insgesamt hängen über 1.500 Arbeitsplätze an dem Familienunternehmen. 200 Beschäftigte, einschließlich 21 Azubis, arbeiten in der Firmenzentrale in Siegen. 2013 erwirtschaftete Utsch mehr als 250 Millionen Euro Umsatz.

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