Kollege Azubi kommt aus Spanien

Die Firma ABB gibt Jugendlichen aus Südeuropa eine Chance

Heidelberg. Alejandro Carabaza Madueño sitzt vor einer Montageplatte und schraubt Drähte in Klemmen fest. Die Übungsaufgabe für Elektro-Steuerungstechnik geht dem jungen Mann mit dem schwarzen Rund-um-den-Mund-Bart und hippen Plugs in den Ohren leicht von der Hand.

Kein Wunder, schließlich ist der Katalane gelernter Elektriker und Automatisierungstechniker. Erste Berufserfahrung aus seiner Heimat bringt er auch noch mit. „Aber leider später ich war arbeitslos“, sagt Carabaza Madueño in noch etwas holprigem Deutsch. Jetzt beginnt er in Deutschland ganz von vorn: als Auszubildender im ersten Lehrjahr im ABB Training Center in Heidelberg. ABB ist ein führender Anbieter in der Energieversorgung und Automation.

Vier Unterrichtsstunden Fachnachhilfe und Deutsch pro Woche

Carabaza Madueño ist einer von 17 Spaniern, die im September 2014 im Rahmen eines Pilotprojekts des Arbeitgeberverbands Südwestmetall zur Metall- und Elektro-Ausbildung ins Ländle kamen. Junge Spanier bekommen die Chance, bei den Mitgliedsunternehmen eine gewerbliche duale Ausbildung zu absolvieren. Der Verband will damit einen Beitrag zur Förderung der Mobilität in Europa leisten, als Reaktion auf die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und den einsetzenden Fachkräftemangel in der heimischen Metall- und Elektro-Industrie.

Unterstützung holte sich Südwestmetall beim Bildungsträger BBQ. Über Kooperationspartner in Barcelona und Granada suchte Projektbetreuerin Birgit Steinmüller nach geeigneten Bewerbern. Sie warb um Firmen, die bereit waren, spanische Azubis einzustellen, wählte geeignete Kandidaten aus und entschied, wer am besten wohin passen würde.

„Wir wollten auf alle Fälle junge Leute mit einer gewerblich-technischen Vorbildung haben“, sagt Steinmüller. Bevor die 17 jungen Spanier den Ausbildungsvertrag in der Tasche hatten, kamen sie erst einmal zum Praktikum in die Firmen.

Mit Carabaza Madueño traf auch sein Landsmann Oriol Cristina Cruells bei ABB ein. Er wird Mechatroniker, Carabaza Madueño wird zum Elektroniker für Betriebstechnik ausgebildet. Im ABB Training Center wurde vor allem darauf geschaut, ob die beiden Praktikanten dem Druck gewachsen sind. „Das ist eine technisch sehr hochwertige Ausbildung“, erklärt Steffen Klemm, der Leiter der Elektroausbildung.

Für die spanischen Kollegen gibt es vier Stunden Extra-Unterricht pro Woche: Deutsch sowie Fachnachhilfe. Doch nicht alle sind der Herausforderung gewachsen. 4 der 17 Teilnehmer brachen im ersten Halbjahr die Ausbildung ab.

„Heimweh und Sprachvermögen, das kann man nicht beeinflussen“, stellt Projektbetreuerin Steinmüller fest. Die beiden Katalanen bei ABB sind jedoch auf dem besten Weg, sich in Heidelberg heimisch zu fühlen. „Die Spanier sind mittendrin statt nur dabei“, sagt Ausbilder Klemm und fügt hinzu: „Hut ab vor dem, worauf sie sich da eingelassen haben.“


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