Krisenmanagement

Die Fäden fest in der Hand


Fertigung bei Trevira: Produziert wird unter anderem in Bobingen in Bayern (Bild). Im hessischen Hattersheim sitzt der Vertrieb.

Trevira bleibt – Neuordnung nach Insolvenz

Hattersheim. Aufatmen beim namhaften Chemiefaser-Spezialisten Trevira, der in Hattersheim bei Frankfurt seine Vertriebszentrale hat. Im Juni vergangenen Jahres musste das Unternehmen, das da­-mals ein Teil der indischen ­Reliance-Gruppe war, Insolvenz anmelden. Doch für 2010 erwartet der Insolvenzverwalter Werner Schneider jetzt wieder ein positi­­ves operatives  Ergebnis.

Der von Schneider zurückgeholte Geschäftsführer Uwe Wöhner verkündet zuversichtlich: „Das Interesse potenzieller Investoren ist groß. Am Ende der Restrukturierung werden wir mit Bedacht einen Investor suchen.“

Betroffen durch die Insolvenz waren damals insgesamt 1.800 Beschäftigte: beim Vertrieb in Hattersheim, in den deutschen Werken am Stammsitz Bobingen (Bayern) und in Guben (Brandenburg) sowie an einigen ausländischen Standorten.

Umsatz sank um ein Drittel

„Das war ein Schock für alle“, erinnert sich Günter Gunzenheimer, der Bobinger Betriebsratschef. Erleichtert kann er jetzt feststellen: „Die Restrukturierung ist in vollem Gang, sie wird letztlich das Unternehmen und einen Großteil der Arbeitsplätze retten.“  Für Gunzenheimer ist es daher „notwendig, dass sich die Mitarbeiter mit finanziellen Opfern an der Sanierung beteiligen“.

Seit Jahresbeginn ist eine neue Trevira am Start. Zwei kleinere Werke in Belgien und Dänemark werden abgegeben, die Finanzierung ist durch einen Kredit der Bayerischen Landesbank gesichert, die verbleibenden Werke sind neu organisiert.

Zwar sank der Umsatz 2009 von 323 auf rund 210 Millionen Euro. Doch drei Viertel der Belegschaft bleiben im Job.

„Trevira konzentriert sich künftig auf die profitablen Spezialprodukte“, stellt Firmenchef Wöhner klar. Dazu gehören beispielsweise besonders strapazierfähiges Garn für Autositze sowie flammhemmende oder gegen Geruchsbildung mit Silberionen versetzte antimikrobielle Fasern und Garne.

Eine lange Tradition wird damit doch noch fortgeführt: In den 50er-Jahren wurde in Frankfurt die Chemiefaser „Trevira“ entwickelt – die Fertigung wurde dann in den 90er-Jahren vom damaligen Hoechst-Konzern in eine eigenständige Firma ausgegliedert.

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