So sanft kann Metall sein...

Die erstaunliche Taschentuchmaschine von Winkler + Dünnebier

Warum deutsche Maschinenbauer weltweit so erfolgreich sind, kann man sich mit diesem Beispiel gut vor Augen führen: einer 22 Meter langen Spezialmaschine für die Taschentuch-Produktion. AKTIV hat sie sich mal angesehen.

Die „FLOWTOS“: Servicetechniker Uli Lamprecht von Winkler + Dünne­bier richtet die Spezialmaschine für einen Kunden ein. Foto: Sandro

Die „FLOWTOS“: Servicetechniker Uli Lamprecht von Winkler + Dünne­bier richtet die Spezialmaschine für einen Kunden ein. Foto: Sandro

Taschentücher: 77 Stück pro Sekunde werden hier produziert. Foto: Strassmeier

Taschentücher: 77 Stück pro Sekunde werden hier produziert. Foto: Strassmeier

Verpacken inklusive: Der hintere Teil der Anlage, mit Industrie­mechaniker Tobias Wagner. Foto: Sandro

Verpacken inklusive: Der hintere Teil der Anlage, mit Industrie­mechaniker Tobias Wagner. Foto: Sandro

„Die Maschine ist in der Branche zurzeit das Maß aller Dinge.“ Daniel Bäth, Projektleiter. Foto: Sandro.

„Die Maschine ist in der Branche zurzeit das Maß aller Dinge.“ Daniel Bäth, Projektleiter. Foto: Sandro.

Neuwied. Servicetechniker Uli Lamprecht lässt die „W+D FLOWTOS“ extra mal ganz langsam laufen. Damit der angereiste Reporter genau gucken kann, was dieses Geschoss von Maschine alles kann. Aus hauchzartem Tissue-Zellstoff Taschentücher schneiden, sie akkurat falten, sie fein säuberlich übereinanderlegen, verpacken, verschweißen, verkaufsfertig auswerfen.

Und all das im Echtbetrieb rasend schnell. 77 Taschentücher pro Sekunde und pro Tag weit über vier Millionen. Wir sind beim Maschinenbauer Winkler + Dünnebier in Neuwied (Rheinland-Pfalz), der mit 400 Mitarbeitern hauptsächlich Maschinen für Briefumschläge produziert.

Rollenwechsel in wenigen Sekunden

Aber man baut eben auch Maschinen für Tissue. Heavy Metal ganz sanft. Und wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. „Die FLOWTOS ist viel schneller als ihr Vorgängermodell“, berichtet der Projektleiter Daniel Bäth, der sie gemeinsam mit Kollegen entwickelt hat. „Und nicht nur das – sie ist auch viel flexibler. Man kann zum Beispiel die Zahl der Tücher im Päckchen ganz einfach zwischen 5 und 15 beliebig variieren, per Knopfdruck, ein aufwendiges Umrüsten entfällt.“

Die Maschine kann deshalb problemlos im 24-Stunden-Betrieb produzieren. Es fängt mit einer mannshohen Rolle Material an – gut 200 Kilo schwer, obwohl Tissue viel leichter ist als Papier. Bevor sie verbraucht ist, kann eine zweite vorbereitet werden, sodass die Maschine beim Wechsel nur wenige Sekunden stillsteht. Das Tissue läuft präzise über die Führungsschienen und Walzen, wird geschnitten und gefaltet. Wenn es der Kunde wünscht, kann er Düsen dazwischenschalten, die die Bahnen mit pflegender Lotion einsprühen oder parfümieren.

Die fertigen Taschentücher werden dann über Zylinder transportiert, die sie raffiniert ansaugen und wieder loslassen – indem sie im Abstand von Millisekunden ein Vakuum erzeugen und abschalten. Am Ende werden der Tücherstapel und die bedruckte Verpackungsfolie „verheiratet“. Verschlussklebestreifen drauf und fertig!

Gut drei Jahre Tüftelei waren erforderlich, bis die mit allen Optionen ausgestattete, 22 Meter lange Spezialmaschine im Jahr 2013 auf den Markt kam. Seither hat das Unternehmen sie an Kunden in Europa, aber etwa auch in Argentinien und Elfenbeinküste verkauft.

Dass unsere Industrie so erfolgreich ist im Export: Hier wird deutlich, woran es liegt. An mit Sorgfalt entwickelten Maschinen und Patenten wie in diesem Beispiel.


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