Duales Studium

Die doppelte Chance


Nachwuchskräfte und ein Ausbilder schildern ihre Erfahrungen

 

 

Eltville. Muss man das wirklich alles lernen? Diese Frage vieler Studenten nach dem Sinn ihres Unterrichtsstoffs stellt sich für Steffen Diefenbach nicht. „Die Theorie lässt sich leichter verinnerlichen, wenn man die Zusammenhänge im Betrieb bei der praktischen Arbeit erlebt“, sagt der angehende Ingenieur.

 

 

 

Nach fünf Semestern hat er sein Grundstudium absolviert und die Facharbeiterprüfung zum Mechatroniker bestanden. Denn Diefenbach lernt nicht nur an der Hochschule, sondern auch beim Unternehmen Jean Müller – im Rahmen des dualen Studiums.

 

 

 

Attraktiv für Mittelständler

 

 

 

Der Familienbetrieb in Eltville mit rund 600 Mitarbeitern ist auf Energietechnik spezialisiert – von einfachen Sicherungen bis hin zu Stromverteilungskomponenten und elektronischen Energiemanagement-Systemen.

 

 

 

„Dafür brauchen wir hochqualifizierte Mitarbeiter auf allen Ebenen“, sagt Rainer Aulmann, Ausbildungschef bei Jean Müller. In Zusammenarbeit mit der Hochschule RheinMain bietet der Mittelständler den dualen Studiengang „Kooperatives Ingenieurstudium Systems Engineering“ an – kurz KIS.

 

 

 

Denn nicht nur große Firmen setzen auf die Verbindung von Lehrwerkstatt und Hörsaal. Ausbilder Aulmann nennt das duale Studium „eine doppelte Chance“ für die jungen Leute, aber auch für Unternehmen: „Die Jugendlichen beenden ihre Ausbildung mit zwei Abschlüssen. Die Firma bekommt hochqualifizierte Mitarbeiter, die den Betrieb bereits kennen.“ Das duale Studium bietet deshalb einen wichtigen Teil der Personalstrategie bei Jean Müller.

 

 

 

Vier Jahre dauert die Ausbildung. Jeweils zur Hälfte verbringt man sie an der Hochschule und im Betrieb.

 

 

 

Job schon vor der Prüfung sicher

 

 

 

Ein Vollzeitstudium hätte Nachwuchskraft Steffen Diefenbach auch gar nicht interessiert: „Ich will den Praxisbezug, nicht nur blanke Theorie büffeln.“

 

 

 

 

 

 

 

Seine Kollegin Nina Ebner ist im dritten Semester. Sie sieht in dieser Form der Ausbildung einen weiteren Vorteil. Wie jeder Azubi bekommen auch die Studenten monatlich rund 850 Euro. „Viele Vollzeitstudenten jobben in Tankstellen oder Lokalen, um über die Runden zu kommen. Da ist mir die Arbeit in einem Unternehmen lieber“, sagt sie.

 

 

 

Außerdem kann sie einer sicheren Zukunft entgegenblicken. Das zeigt auch die Bilanz, die Simone Schäfer von der Hochschule RheinMain zieht: „Von den 200 Ingenieuren, die wir bereits ins Berufsleben entlassen haben, wurde allen noch vor der Prüfung eine feste Stelle angeboten.“

 

 

 

Auch der Ausbilder bei Jean Müller ist sich seiner Sache sicher: „Schon jetzt kann ich sehen, dass wir mit unseren KIS-Studenten nach ihrem Berufsabschluss überdurchschnittlich qualifizierte, engagierte Mitarbeiter bekommen“, sagt Aulmann.

 

 

 

 

 

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