Dienstleister

Die Chance nach der Krise


Hanomag Lohnhärterei investiert in neue Anlagentechnik

Hannover. Wirtschaftskrise hin oder her, bei der Hanomag Lohnhärterei  ist  der  Blick  in die Zukunft gerichtet. Die neue Fabrik, erst vor knapp sechs Jahren auf der grünen Wiese am Stadtrand von Hannover bezogen, wird um eine Halle erweitert. Handwerker installieren darin zurzeit acht weitere Öfen. „Dann können wir jährlich bis zu 35.000 Tonnen Metall härten“, sagt Firmen-Chef Konrad Seehafer. Die Hannoveraner gehören damit in Deutschland zu den drei größten Lohnhärtereien.

Als Dienstleister behandelt man Metalle mit Wärme.

Neues Standbein Windkrafttechnik

Rekordzahlen sind im Mo­ment wegen der Krise zwar Zukunftsmusik, doch für die Zeit danach sind die neuen An­lagen eine hervorragende Startposition. Weil derzeit weltweit der Auto-Absatz stockt, ist auch bei  Hanomag  gut  die  Hälfte der Mitarbeiter in Kurzarbeit. Zum Glück aber hat sich das Unternehmen vor geraumer Zeit mit der Wind­kraft­technik ein zusätzliches Standbein geschaffen.

Konrad Seehafer und sein Sohn Karsten bauten in den vergangenen zwei Jahrzehnten gemeinsam mit ihren Mitarbeitern ein beachtliches Un­ter­neh­men auf.

1986 ging der Betrieb aus der Zerschlagung der Maschinenfabrik Hanomag hervor, seit 1993 ist er vollständig in der Hand der Familie Seehafer. Das einstige Mutterunternehmen ist zwar weiterhin Auftraggeber der Lohnhärterei – zusätzlich sind es aber rund 2.000 weitere, meist  mittelständische  Firmen, die bei Ha­nomag arbeiten lassen.

 

Der Familienbetrieb ist heute auf sechs Standorte ge­wachsen. Vor 16 Jahren hatte er weniger als ein Dutzend Mitarbeiter. Mittlerweile sind es am Standort Hannover 130 fest angestellte Mitarbeiter, insgesamt sogar 370.

Technologische Herausforderungen hatten für die Ingenieure immer einen besonderen Reiz und haben für Erfolg und Wachstum gesorgt. Als Aluminium Ende der 80er-Jahre im Automobilbau eine immer größere Rolle spielte, gehörten die Hannoveraner zu den ersten Lohnhärtereien, die sich an diese anspruchsvollen Veredelungswege heranwagten.

Denn die Technologie hat es in sich: Um Metalle zu veredeln (damit diese extrem hohe physikalische und mechanische Eigenschaften erreichen), müssen sie aufwendige Prozesse durchlaufen. Bei einigen Verfahren umfassen die Prozess-Zeiten mehrere Tage, um das gewünschte Härte-Ergebnis zu erzielen. Temperaturen um 1.000 Grad sind keine Seltenheit.

Hochproduktive Anlagen

Metalle zu veredeln – das ist  ein sehr kapitalintensives Ge­schäft, in dem es Mittelständler nicht immer leicht ha­ben. „Wir haben insgesamt fast 50 Millionen Euro investiert“, berichtet Senior-Chef Seehafer.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Wir haben beste Vo­raussetzungen, um langfristig bestehen zu können“, so Seehafer. Die neuen Anlagen sind  hochproduktiv. Branchenkenner wissen, dass es für die Autobauer um bis zu 25 Prozent güns­­tiger sein kann, wenn sie die Veredelung von Metallteilen in die Hände von Spezialisten wie die Hanomag Lohnhärterei geben.

Nur keine Panik – das ist das Motto der Hannoveraner. Die Gelassenheit resultiert aus der Umstrukturierung. Mehr Um­welt-, we­niger Auto-Industrie – so die Marschrichtung. Neue Märkte werden noch stärker in den Blick ge­nommen. Seehafer ist zuversichtlich: „Es wäre die ers­te Krise, die kein Ende findet. Wer sich an der Gegenwart orientiert, läuft der Zeit nur hinterher.“

Werner Fricke

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