Ausbildung

Die Chance fürs Leben


Lehrstellen trotz schlechter Noten - so hilft die Chemie Hauptschülern

Hurra, endlich fertig mit der Schule – auf ins pralle Leben! Aber mit schlechten Noten kann der Start in den Beruf verdammt schwer sein. Das erfuhr Sarah Fall (17) schmerzhaft: „Ich bekam Absagen auf 80 Bewerbungen – das hat mich total gefrustet.“

Jetzt hat sie eine Perspektive. Ein praktisches Berufsvorbereitungsjahr für Hauptschüler beim Chemie- und Pharmakonzern Merck in Darmstadt ermöglichte ihr jetzt die Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik: „Genau mein Ding, es macht Spaß“, sagt Sarah.

Konzentriert fährt sie mit dem Gabelstapler durch die Lagerhalle. Eigentlich Männerarbeit, oder? Sarah grinst: „Wir haben Hebehilfen, da braucht man keine Muckis.“

Elf Monate dauerte das Praktikum, bei dem die damals 15-jährige Jugendliche den Sinn von Pünktlichkeit, Regeln, Teamgeist und Engagement erkannte: „Wir vermitteln Werte und Kompetenzen“, erklärt Ausbilder Zeki Gül. „Wir zeigen Perspektiven auf und übertragen den jungen Menschen Verantwortung. So ermöglichen wir ihnen den Einstieg in die Ausbildung.“

„Ohne die Hilfe wäre ich nicht so weit“

Gleichzeitig lernte Sarah verschiedene Berufe kennen. In der Abfüllung zum Beispiel oder in der Reststoffwirtschaft. Ihre Freunde beneiden sie um die Erfahrung. „Das Praktikum war meine Riesenchance, ich habe sie genutzt“, sagt sie heute stolz.

Ähnlich sieht es Jan Kretschmann (16). Er steckt noch mitten im Praktikum und sieht, was Anlagenbauer alles aus Kunststoff, Stahl und Glas zaubern. Kollege Murat Gökhan (18) macht schon eine Lehre als Kunststoffmechaniker: „Ohne die Hilfe von Merck wäre ich nie so weit gekommen“, sagt er angesichts eines wenig ruhmreichen Abgangszeugnisses. Im Praktikum büffelte er freiwillig Deutsch und Mathe.

Ausbilder Gül ist mit seinen Schützlingen  zufrieden. „Es ist beeindruckend, was die jungen Leute leisten, wenn man ihnen eine Chance gibt“, sagt er. Und ergänzt: „Gute Handwerker erkennt man sowieso nicht an ihren Schulnoten.“

Seit zwei Jahren gibt es dieses Berufsvorbereitungsjahr bei Merck. Vergleichbare Projekte haben auch andere Unternehmen aufgelegt – mit ebenfalls guten Erfahrungen.

„Start in den Beruf“ heißt es zum Beispiel beim Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen. Hier setzt man auf den regionalen Ausbildungs-Verbund: Jugendliche, denen das Glück bisher weniger hold war, erproben in Partnerbetrieben den Berufsalltag. Sie packen kräftig mit an: in der Produktion, in der Werkstatt, im Büro, im Dienstleistungs-Betrieb.

Neben den praktischen Fähigkeiten gibt’s Theorie: Rechnen, betriebliche und wirtschaftliche Zusammenhänge büffeln die Absolventen im Ausbildungszentrum des Chemieunternehmens.

Auch der Chemiekonzern Bayer in Leverkusen engagiert sich. Er fördert mit seinem „Starthilfeprogramm“ zurzeit 150 Mädchen und Jungen, deren Qualifikation noch nicht den Anforderungen entspricht.

Ein Mentor nimmt die Kids an die Hand

Der Pharma- und Medizintechnik-Hersteller B.Braun in Melsungen wiederum greift Jungs und Mädels, bei denen nicht alles „rund“ läuft, mit der Initiative „Jugend hat Zukunft“ unter die Arme. Schulen, Betriebe, Verbände und die Stadt machen mit.

Ein Mentor nimmt die Jugendlichen an die Hand und zeigt ihnen, was das Leben zu bieten hat – wenn man sich anstrengt. Das ist eine wichtige Botschaft. Denn etwa 15 Prozent der Schüler – zumindest in Hessen – brechen die Schule ab oder machen keinen Abschluss.

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