Know-how ist Trumpf

Die Berufsschule in Gelnhausen ist ein Sprungbrett für Kautschuk-Karrieren

Gelnhausen. Die Maschinen brummen und klacken leise, alles glänzt und ist sauber: Die ehemaligen Berufsschüler schlendern durch die Räume, bestaunen die Technik. „Viele Erinnerungen kommen hoch“, sagt Manuela Noll. „Aber es sieht total anders aus.“

Der Fachbereich Kunststoff- und Kautschuktechnik an der Beruflichen Schule in Gelnhausen (Hessen) feiert 30. Jubiläum. „Früher gab es nur eine alte Maschine, sie funktionierte nicht immer, es war laut und schmutzig“, erzählt Noll, die inzwischen – ebenfalls in Gelnhausen – beim Autozulieferer Veritas arbeitet. Heute reihen sich modernste Modelle aneinander. Wert: 1 Million Euro.

Es hat sich eben viel verändert. Joachim Jaborek war 1984 einer der Ersten, die im neuen Fachbereich eine duale Ausbildung zum Kunststoffformgeber machten. „Es war ein Lernprozess zusammen mit den Lehrern“, erinnert er sich. Und für viele ein Karrieresprungbrett. Später schloss Jaborek noch eine Technikerausbildung an, heute ist er bei Veritas in Gelnhausen Produktionsleiter, verantwortlich für rund 1.000 Mitarbeiter. Mit der Ausbildung sei man breit aufgestellt. „Das Spektrum ist unheimlich vielfältig.“

Auch Frank Bensing, heute Projektleiter und Entwickler für Gleisoberbau bei Woco IPS im nahe gelegenen Bad Soden-Salmünster, betont: „Die Karrierechancen sind immens.“ In kaum einem Beruf gebe es so viele Möglichkeiten, vor Ort an der Entwicklung von Produkten mitzuarbeiten – dabei waren früher die „Gummibuden“, wie die Kautschukbetriebe genannt wurden, nicht immer die erste Wahl für eine Ausbildung. Doch Technik und Arbeitsabläufe hätten sich enorm verändert. „Heutzutage muss man den ganzen Prozess verstanden haben“, sagt Bensing.

Als seinerzeit der entsprechende Fachbereich an der Berufsschule gegründet wurde, beteiligten sich die Firmen aus der Umgebung. Bis dahin habe es „im Kautschukbereich gar nichts“ gegeben, sagt Hans-Jürgen Hammerich, der für den Fachbereich zuständige Abteilungsleiter. Die Ausbildung zum Kunststoffformgeber (heute Verfahrensmechaniker) für Kunststoff- und Kautschuktechnik sei „aus dem Nichts“ gestartet, ohne Lehrpläne und Schulbücher. Später kam eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer hinzu. Heute werden rund 200 Azubis in zehn Klassen unterrichtet. Zudem wurde eine Technikerschule aufgebaut. Schulleiter Günter Rau betont, dass sich der Fachbereich „zu einem Leuchtturm“ der Schule entwickelt habe.

Auch Uwe Keller sah damals seine Chance. Nach der Hauptschule hatte er als Autolackierer im Drei-Schicht-System gearbeitet. Ihm war klar: „Das kann ich nicht mein Leben lang machen.“ In der Berufsschule absolvierte er eine Aus-, dann eine Weiterbildung. Jetzt arbeitet er als Projektingenieur bei Veritas. Sein Fazit: „Das Know-how, das man hier bekommt, ist Trumpf.“


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