Innovative Verpackung

Die bayerische Firma Spiegel macht jetzt Spätzle-Freunden das Leben leichter

Höchberg. Sprudelnd kochendes Wasser im Topf. Ein schnelles „Ratsch“ – die Löcher im Boden der Spätzle-Verpackung sind freigelegt. Nun nur noch sanft drücken und den Teig in den Topf gleiten lassen: Nach wenigen Minuten sind frische Spätzle fertig, ohne großen Aufwand.

Auf diese pfiffige Sache sind Martin und Michael Spiegel, Chefs der Kartonagenfabrik Spiegel in Höchberg bei Würzburg, besonders stolz. Über ein Jahr Entwicklungsarbeit haben sie in die ausgefuchste Produkthülle investiert, gemeinsam mit dem fränkischen Teig-Start-up Frizle und Verdesoft, einem Nürnberger Dienstleister für Verpackungskonzepte.

Was die Fachwelt als „innovative Dosierverpackung für frische pastöse Teige“ bezeichnet, wurde bald mit dem Deutschen Verpackungspreis ausgezeichnet und erhielt kürzlich den DuPont International Packaging Award in Gold. „Rein technisch betrachtet gab es so einen Dosierbeutel auf Kartonbasis bisher noch nicht“, sagt Martin Spiegel. Und er erzählt von den Herausforderungen: vom speziellen Verschlussetikett für die Löcher etwa, vom Ultraschallschweißen an den Schnittkanten des Kartons – und so fort.

Seit 100 Jahren im Geschäft

„Aber solche Herausforderungen zu meistern, ist nun mal unsere Spezialität – und das seit 100 Jahren“, sagt der Unternehmer stolz. 1914 hatte sein Großvater eine Werkstatt für Buchbindearbeiten und die Herstellung von Lager- und Zigarrenkisten gegründet. Später fertigte der Betrieb Stülpdeckelschachteln für den Warenversand, überzogene Verpackungen für die Seifen- und die Süßwaren-Industrie und schließlich auch unbedruckte Faltschachteln.

Heute beschäftigt das Unternehmen 40 Mitarbeiter, darunter drei Auszubildende. Es ist Lieferant für Kunden etwa aus der Pharma- und Kosmetik-Industrie sowie für Hersteller von Süßwaren oder hochwertigen Gebrauchsgütern. Juniorchef Michael Spiegel richtete die Produktion auf die hohen Hygiene-Ansprüche der Lebensmittel-Industrie aus, der Betrieb ist entsprechend zertifiziert: „Hier kommt keiner rein ohne Händewaschen, frische Haube und Kittel.“

Nicht untypisch für solche Mittelständler: hohe Flexibilität. Die Abwicklung von Aufträgen kann bei Bedarf ganz schnell umgestellt werden.

Eiligen Kunden wird schnell geholfen

„Wenn es ein Kunde mal besonders eilig hat, wird das hier schon passend geregelt“, sagt Industriemeister Arnold Eder. Der gelernte Drucker ist schon mehr als 40 Jahre bei Spiegel – und fühlt sich sichtlich wohl: „Hier ist alles sehr familiär“, sagt er, „mit direktem Draht zu den Chefs.“

Die meisten Aufträge haben Volumen von 500 bis 250.000 Stück. Aber auch Millionenauflagen werden hier gemeistert – dank der modernen Maschinen: Ein gutes Fünftel des Umsatzes wird Jahr um Jahr im Schnitt in Gebäude-Anlagen investiert.

So läuft neben zwei modernen Heidelberger Druckmaschinen eine digitale Anlage. „Auch hier wird sich die Technik noch weiterentwickeln – und wir werden dabei sein“, ist Juniorchef Michael Spiegel überzeugt. „Noch hat jeder in unserer Familie die Herausforderungen seiner Zeit angenommen. 100 Jahre Bestehen als Familienunternehmen heißt ja auch, dass da jeder mehr richtig als falsch gemacht hat.“


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