Grüne Gentechnik

Die BASF baut weiter auf ihre Stärke-Knolle


Trotz Mais-Verbot. Denn als Gen-Gewächs haben Kartoffeln Pluspunkte

Kann denn Gentechnik Sünde sein? Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) findet das schon, zumindest bei der gentechnisch veränderten Maissorte MON 810 der US-Firma Monsanto. Kurz vor Beginn der Aussaat hat sie ihren Anbau verboten. Die Begründung: Der von den Pflanzen produzierte Abwehrstoff gegen Schädlinge lasse vermehrt Marienkäfer und Wasserflöhe sterben. Damit ist das einzige in Europa zum Anbau zugelassene Gentech-Gewächs in Deutschland verboten. Von den derzeit 28 genehmigten Freisetzungs-Versuchen abgesehen wird die Republik gentechnikfrei.

Seit Jahren im Zulassungsmarathon

Keine gute Ausgangssituation für Forscher wie die Rostocker Professorin Inge Broer, die mit Kartoffeln bioabbaubare Kunststoffe herstellen will, und den Chemieriesen BASF, der 2009 nach zwölf Jahren des Wartens nun endlich die Anbaugenehmigung für seine Stärke-Kartoffel „Amflora“ erhofft.

Mission impossible also für die BASF und ihre Gen-Knolle? Thorsten Storck, Biologe und Projektmanager für „Amflora“, lässt sich nicht beirren: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass die wissenschaftlichen Fakten und Argumente am Ende zählen werden.“ Und grüne Gentechnik in begründeten Fällen in Europa einsetzbar bleibt.

Die BASF-Knolle hat das Zeug zur Ausnahme vom Gentechnik-Bann. Denn in einigen Punkten unterscheidet sie sich von Pflanzen wie dem Gen-Mais. Selbst der Naturschutzbund, der sie aus Prinzip ablehnt, gesteht ihr eine „Sonderstellung“ zu. Was die Knolle so anders macht?

lBei ihr ist nicht Pflanzenschutz das Ziel des Eingriffs, sondern ein nachwachsender Rohstoff, die Stärke. Dazu haben die Wissenschaftler ein Gen ausgeschaltet. „Deshalb stellt Amflora von den beiden Molekülen, aus denen Stärke normalerweise besteht, nur eines her, das Amylopektin“, so Storck.

Dieser Stärke-Typ eignet sich besser für Klebstoffe, Papier und Spritzbeton, lässt sich aber chemisch nur zu extrem hohen Kosten herstellen. Stärke-Hersteller wie die Emsland-Group sind deshalb stark an der neuen Knolle interessiert.

lZudem ist die Gen-Kartoffel nur für die Industrie gedacht und nicht als Speise. Strenge Regeln für den Vertragsanbau sollen verhindern, dass sich die Gen-Knollen unter Speisekartoffeln mischen. Storck: „Wenn es doch mal passiert: Amflora kann man bedenkenlos essen.“

lAuch das Risiko der unerwünschten Ausbreitung besteht nicht. „Kartoffeln werden über Knollen vermehrt und wildern nicht aus“, erklärt Professorin Inge Broer. Bei anderen Pflanzen kann dagegen der Pollenflug Erbgut auf Nachbarfelder übertragen. Deshalb schreibt das Gesetz Sicherheitsabstände zwischen den Äckern vor.

In einem Punkt unterscheidet sich die BASF-Kartoffel nicht von anderen Gentech-Gewächsen. Auch sie enthält – von Umweltschützern viel kritisiert – ein Gen, das sie gegen Antibiotika resistent macht.

Antibiotika-Schutz kein Grund zur Sorge

„Ohne das ist grüne Gentechnik unter vernünftigen Bedingungen noch nicht möglich“, so Broer. „Dadurch nehmen die Antibiotika-Resistenzen bei Bakterien aber nicht zu. Sie kommen ja aus Bakterien und sind dort von Natur aus weit verbreitet. Da besteht kein Grund zur Sorge.“

Auch die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit in Parma sah das bisher so. Schon zweimal hat sie Amflora daraufhin gecheckt. Zweimal ging der Daumen nach oben. Derzeit prüft sie die Knolle erneut. Gibt es wieder einen Freispruch, will die EU den Anbau genehmigen.

Hans Joachim Wolter

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