Familienunternehmen

Die Ausputzer


Wie die Firma Lessmann mit Bürsten schwer auf Draht ist

Oettingen. Was haben Motorblöcke im Auto, winzige Endoskop-Ventile in der Medizintechnik und Pipeline-Rohre gemeinsam? Sie alle werden mit Bürsten gereinigt – während der Produktion oder später zwischen ihren Anwendungen. Scharfe Schnittkanten werden entfernt, die Stellen also entgratet, und Schweißnähte glatt poliert. Das ist nötig, damit beim Weiterverarbeiten weitere Nähte dauerhaft und sicher gesetzt werden können.

Für diese Anwendungen und Tausende mehr liefert das schwäbische Familienunternehmen Lessmann in Oettingen bei Nördlingen Spezialbürsten: Sie heißen Entgrat-Pinsel oder -Walzenbürsten, Leisten- oder Tellerbürsten.

Geliefert wird in 50 Länder

„Wir haben Datensätze zu 30.000 Produkten gespeichert“, berichtet Dieter Lessmann, kaufmännischer Geschäftsführer des 180-Mitarbeiter-Unternehmens, das er gemeinsam mit seinem Bruder Jürgen führt. Jedes Jahr bringen sie rund 1.000 neue Bürstenmodelle heraus. Von der einzelnen Sonderanfertigung bis zum Großauftrag mit mehreren 1.000 Stück ist alles zu haben.

„Im Schnitt liefern wir Standardprodukte 48 Stunden nach Bestellung aus“, sagt Dieter Lessmann. Knapp die Hälfte von zuletzt 16 Millionen Euro Jahresumsatz stamme aus dem Export, geliefert werde in 50 Länder. „Der deutsche Markt für Spezialbürsten ist mit rund 100 Millionen Euro Jahresumsatz relativ klein.“

Hierzulande gibt es nur zwei weitere, größere Hersteller. Lessmann aber ist nach eigenen Angaben im deutschen Werkzeug-Fachhandel führend. Und punktet mit Spezialberatung und Service.

So probieren im Team von Jürgen Lessmann vier Entwickler an Produktmustern von Industriekunden aus, welche Bürste für die gewünschte Anwendung optimal ist. Dabei hilft der firmeneigene Werkzeugbau.

Die Wurzeln des 1948 wiedergegründeten Unternehmens liegen im Heim- und Handwerkergeschäft. Der Großvater der heutigen Geschäftsführer setzte seine Bürstenfertigung aus dem Sudetenland im Donau-Ries fort: mit der klassischen Holzdrahtbürste.

Von ihr werden heute noch drei Millionen Stück im Jahr gefertigt. War sie in den 80er-Jahren noch das Hauptprodukt, wurde sie danach von Bürsten für Winkelschleifer und Elektro-Bohrmaschinen überholt. So gibt es in manchen Baumärkten Lessmann-Verkaufsständer. Das „Do it yourself“-Geschäft macht immerhin 10 Prozent vom Umsatz aus.

Sogar die Wurst profitiert

Neben Standardprodukten ist Vielfalt Trumpf – die sogar im Privathaushalt Eindruck hinterlässt. So sehen Wildlederschuhe wieder top aus dank einer Spezialbürste mit Drahteinlage, auch die wird in Oettingen produziert.

Und dank Lessmann ist auch die Brotzeit ungefährlich: Mit einem weiteren Produkt des Traditionsunternehmens lässt eine Großmetzgerei die Metallklammer am Ende mancher Würste entgraten und polieren. Damit sich bloß keiner in den Finger ritzt.

 

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