Innovation

Die aufregende Welt der Schreibgeräte


Hersteller Lamy hat schon mehr als 200 Design-Preise geholt

Heidelberg. Ein Füller oder Kugelschreiber ist meist 12 bis 14  Zentimeter  lang.  Der  Durchmesser überschreitet selten 13 Millimeter. Wer da spektakuläre neue Designs entwickeln will, kann gleich einpacken – oder? „Oh nein“, sagt Bernhard Rösner und lacht. Er ist Geschäftsführer des Schreib­geräte-Herstellers Lamy. „Es sind die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen“, sagt er.

An solchen „Kleinigkeiten“ tüfteln die Konstrukteure von Lamy zusammen mit namhaften Designern sehr lange. „Wir bringen demnächst ein neues Schreibgerät auf den Markt, an dem wir acht Jahre gearbeitet haben“, verdeutlicht Rösner. Normal dauere es aber „nur“ drei bis vier Jahre, bis ein neues Produkt erhältlich ist.

Erfolg ruft Nachahmer auf den Plan

Dann kann man aber sicher sein, dass es das gleiche noch nicht gegeben hat. Da ist zum Beispiel der Kugelschreiber im Taschenformat, der sich erst auf Druck in einen ausgewachsenen Stift verwandelt. Oder jener mit auswechselbaren Griff­stücken. Der besonders bauchige, der sehr schlanke Füller, der Kugelschreiber mit dreieckigem Korpus oder jener mit versenkbarem Clip. Mehr als 200 Design-Preise hat die 1930 gegründete Firma geholt. Die meisten Urkunden hängen an einer Wand im Bürogebäude – „alle haben gar nicht Platz“, sagt Beate Oblau, Leiterin des Bereichs Marketingkommunikation. Einige Mo- delle haben Design-Geschichte geschrieben, wie der Schulfüller „safari“ aus den 80ern, der aus farbigem Kunststoff.

Wo Erfolg ist, sind auch Nachahmer: Rösner schätzt, dass Produktpiraten seinem Unternehmen jährlich einen Schaden im siebenstelligen Bereich verursachen. Er geht zwar juristisch gegen die Firmen vor, die Plagiate in Verkehr bringen. „Aber die Hersteller finden sie selten“, so seine Erfahrung.

Sogar die Tinte macht Lamy selbst

Die Plagiate unterscheiden sich vor allem in der Qualität von den Originalen. Ein Füller aus dem Premium-Segment darf eben nicht klecksen, nicht übers Papier kratzen, beim Kuli darf der Clip nicht leicht brechen, der Mechanismus nicht klemmen.   Dafür   sorgen   die 350 Mitarbeiter in Heidelberg. Etwa Kornelia Kröll und Petra Köhler, die Füller „einschreiben“: Um zu testen, ob sie gut funktionieren.

Lamy macht aus Qualitätsgründen fast alle Teile selbst, sogar die Tinte. Das Unternehmen setzt auf den Standort Deutschland, weil „Made in Germany“ einen guten Ruf hat. „Das nutzen wir im Marketing“, so Rösner. Seine Firma müsse dafür sehr effizient arbeiten: „Auch, um die höheren Lohnkosten im Vergleich zu anderen Ländern auszugleichen.“

Gutes Schreibwerkzeug ist offenbar gefragt, in einer Welt, die von Werbe-Kugelschreibern überhäuft wird: Mehr als sechs Millionen Schreibgeräte produziert Lamy pro Jahr. Rösner ist überzeugt, gerade im SMS- und E-Mail-Zeitalter sei Handschrift den Menschen wieder viel wert. Barbara Auer

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