Ausbildungsprojekt

Die Ariane vor dem Werktor


Astrium-Nachwuchs baut Rakete nach

Bremen. Am 21. Oktober feierte die europäische Trägerrakete Ariane ihren 30. Geburtstag. Pünktlich zum Ehrentag enthüllten Astrium-Auszubildende ein detailgetreues Modell der aktuellen Erfolgsrakete Ariane 5. Kerzengerade steht sie seither auf dem Rasen des Firmengeländes, reckt sich zwölf Meter in den Bremer Himmel.

Ein Jahr Zeit und 100.000 Euro

Das 7,5 Tonnen schwere Modell im Maßstab 1:4 ist Ergebnis eines einzigartigen, nachahmenswerten Ausbildungsprojekts, das Astrium gemeinsam mit anderen Bremer Unternehmen organisiert hat.

Maßgeblich daran beteiligt war Simon Krüger. Er hat im dualen Studium Bachelor of Engineering Elektrotechnik studiert und den Beruf des Mechatronikers erlernt. Nebenher war der 23-Jährige technischer Leiter des Raketenprojekts. „Ein Jahr Zeit und 100.000 Euro Budget – mehr Vorgaben gab es von der Geschäftsführung nicht“, erinnert er sich.

Alles andere mussten die 37 Astrium-Azubis und zahlreiche weitere Auszubildende und Mitarbeiter von Airbus, Mercedes-Benz, der Lürssen-Werft, der Behindertenwerkstatt Martinshof und anderen regionalen Unternehmen selbst organisieren. „Wir haben geplant und konstruiert, Aufträge vergeben und überwacht, einen Bauantrag gestellt, die Finanzen ständig im Blick behalten und inklusive Einweihungsparty alles selbst organisiert“, berichtet Krüger.

Standort-Leiter Günter Stamerjohanns betont: „Die Auszubildenden hatten völlig freie Hand. Wir haben uns nicht eingemischt und auch nicht geholfen.“ Das Vertrauen war gerechtfertigt. Das Raketenmodell wurde termin- und budgetgerecht abgeliefert.

Praxiserfahrung gesammelt

Neben allen technischen, handwerklichen und kaufmännischen Fähigkeiten waren besonders sogenannte „Soft Skills“ gefragt. Auf gut Deutsch ist das die soziale Kompetenz. Dazu gehören unter anderem Teamfähigkeit, Stressresistenz und auch Rückgrat.

„Einige Leute hatten sich beispielsweise vorgestellt, dass die Spitze der Rakete transparent gestaltet und in ihr Nutzlasten integriert werden könnten“, sagt Ausbildungsleiter Bernhard Künitz. Doch die Azubis lehnten dies ab: „Das ist zu teuer und dauert zu lange.“ Sie konnten sich mit ihrem Standpunkt durchsetzen. „Sie haben Standing bewiesen und so noch mehr Praxiserfahrung gesammelt“, freut sich Künitz.

Insgesamt waren 200 Menschen – davon rund 100 Azubis – an dem Projekt beteiligt, das im Laufe der Monate noch an Schubkraft gewann.

Der Bremer Astrium-Chef ist sichtlich stolz auf die Leistung des Nachwuchses und kann sich ein Nachfolgeprojekt gut vorstellen. Denn zwischen den Modellen von Ariane 5 und Ariane 4 sei noch genügend Platz für ein weiteres Produkt. „Dort würde unser unbemannter Versorgungstransporter ATV gut hineinpassen“, meint er.

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Schlagwörter: Ausbildung

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