Kundendienst mit Essen bei der Oma

Die Anwendungstechniker von Walter Maschinenbau sind bei Betrieben weltweit im Einsatz

Tübingen. Im Demo-Center von Walter Maschinenbau am Stadtrand von Tübingen wird an diesem Vormittag vor manchen Maschinen Schwäbisch, vor anderen Englisch gesprochen. Gunther Raible und seine Kollegen erklären Kunden aus verschiedenen Ländern technische Details und beraten, welche Maschine sich für ihren Bedarf am besten eignet. Die Anwendungstechniker sind eine Mischung aus Serviceleuten für besondere Aufgaben und Vertriebsmitarbeitern.

53 dieser Fachleute arbeiten weltweit mit Teamleiter Jochen Reiff in der Anwendungstechnik zusammen. Das ist mehr als ein Zehntel der Belegschaft des Schleif-, Erodier- und Messtechnik-Spezialisten Walter.

Warum es so viele sind, erklärt Marketingleiter Christoph Ehrler: „Wir wollen nah beim Kunden sein.“ Und bei Tausenden Abnehmern weltweit, vom Ein-Mann-Betrieb bis zum Großunternehmen, brauche man eine so große Mannschaft dieser Spezialisten. Die sind, anders als Servicetechniker, nicht für Wartung und Reparatur von Maschinen zuständig.

Aufträge außerhalb Europas erst nach drei Jahren Ausbildung

„Anwendungstechniker nehmen bei Kunden die bis zu einer Viertel Million Euro teuren Maschinen in Betrieb, erstellen Abnahmeprotokolle, schulen Mitarbeiter des Kunden vor Ort, aber auch in Tübingen in der Trainingsakademie“, erläutert Reiff und fügt hinzu: „Sie sind die Aushängeschilder für unsere Firma.“ Es braucht einige Zeit, um ein solches Aushängeschild zu werden.

Voraussetzungen sind eine abgeschlossene Ausbildung als Meister oder Techniker in einem Metallberuf und Berufserfahrung. Im ersten Jahr werden die neuen Anwendungstechniker zunächst in Tübingen geschult und fahren dann mit erfahrenen Kollegen zu den ersten Einsätzen im Inland. „Nach zwei Jahren kann ich neue Leute dann in Europa alleine einsetzen“, sagt Reiff.

Erst nach drei bis fünf Jahren sind die Mitarbeiter so weit, dass sie Aufträge auch auf anderen Kontinenten übernehmen können. Denn in Ländern wie Indien müsse der Mann vor Ort völlig selbstständig zurechtkommen, weil wegen der Zeitverschiebung Rückfragen in der Walter-Zentrale nicht jederzeit möglich sind. Gunther Raible gehört zu den Männern für solche Einsätze. Seit 1999 ist er bei Walter als Anwendungstechniker. Er schätzt die Abwechslung, mal in Tübingen, mal bei Kunden im Nahen Osten oder in Südafrika im Einsatz zu sein. „Das wird nie langweilig“, sagt er auch nach 15 Jahren im Job.

Nicht immer bekommen er und seine Kollegen von Land und Leuten dabei viel mit. „Bei einer fünftägigen Schulung bleibt dafür kaum Zeit übrig“, sagt Raible. Manchmal werden die Anwendungstechniker aber von ihren Kunden in die Familie aufgenommen. „In Graubünden in Europas höchstgelegener Schleiferei kocht die Oma, und wir sitzen mit am Tisch“, erzählt Raibles Kollege Thomas Schanz schmunzelnd.


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