Lebensart

Die Ästhetik des Speisens


Seltener Griff nach dem Messer: Der Besteck-Kauf ist für viele eine Lebensentscheidung

Geislingen. An Weihnachten werden wieder viele Tafeln in festlichem Glanz erstrahlen. Was dann an Edelstahl oder Silber auf dem Tisch liegt, ist viel mehr als nur bloßes Esswerkzeug. Es ist ein Identitätsmerkmal, fast so ewig wie der Fingerabdruck. „Statistisch kauft jeder Deutsche nur 1,7-mal im Leben ein Besteck“, weiß Herbert Müller. Er leitet das „Produktmanagement Tisch“ beim Marktführer WMF.

Hinter der profanen Zahl verbergen sich gesellschaftliche Trends: „Hochzeiten und Taufen haben als klassische Kauf-Anlässe weitgehend ausgedient“, beobachtet Müller. Zudem seien Statussymbole wie Kleidung, Reisen, Auto oder Haus ein beliebtes Gesprächsthema: „Aber nicht das Besteck, obwohl wir es mehrmals täglich in den Mund nehmen.“

Marktführer WMF und die Billiganbieter

Doch dass die Deutschen so selten zu Messer und Gabel greifen, wenn sie shoppen gehen, das hat auch einen Vorteil: „Wenn einer kauft, dann sind Qualität und Design die wichtigsten Entscheidungskriterien“, so Müller. „Erst zum Schluss zählt der Preis.“ Im Kampf gegen Billiganbieter sieht er sein Unternehmen gut positioniert: „WMF ist Qualität“, sagt er selbstbewusst.

Der Unterschied lasse sich  vor allem an den Messern festmachen. Während andere Hersteller sie aus einem Stück fertigen, produziert WMF sie überwiegend aus zwei Teilen: der Klinge aus hochwertigem geschmiedetem Stahl und dem zweischaligen Griff aus dem Edelstahl „Cromargan“, in den die Klinge einzementiert wird. Damit hebt sich der Marktführer von Billiganbietern ab.

Auch das Aussehen hat einen hohen Stellenwert.  Die Firma bringt jährlich ein bis zwei neue Bestecke auf den Markt, zudem limitierte Auflagen von Topdesignern. Andererseits kann man hier auch noch klassische Serien kaufen – die es zum Teil seit den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gibt.

So stark man Qualität und Design bestimmen kann, so gering ist der Spielraum beim Verkaufspreis. Der Absatz in Deutschland   stagniert,   es herrscht  Verdrängungswettbewerb. Dennoch hat Marktführer WMF im Juli die Besteckpreise um 5 Prozent erhöht.

Enormer Anstieg der Materialkosten

„Das mussten wir tun“, erklärt Müller, „um dem Anstieg bei den Materialkosten zu begegnen.“  Der lag allein im Jahr 2006 bei 37 Prozent! Nicht jeder Aufschlag im Kaufhaus, das lässt sich aus dem Beispiel lernen, bedeutet automatisch mehr Gewinn beim Hersteller: „Die höheren Ladenpreise“, so Müller, „gleichen unsere höheren Einkaufskosten für Material nicht aus.“

Um den Standort Deutschland zu halten, arbeitet deshalb auch WMF an Kosteneinsparungen  seiner heimischen Fertigung. „Um den Konzern insgesamt zu stärken und so auch deutsche Stellen zu sichern“, wie Müller betont, produziert man auch in einem eigenen Werk in China. „Aber ohne Abstriche an unseren Qualitätsstandards.“ Immer nach der Devise: das Kochen, Essen und Trinken zum Erlebnis zu machen.

Joachim Sigel

 

Info: WMF AG

Die WMF AG, mit Sitz in Geislingen bei Stuttgart, produziert Bestecke, Kochgeschirr, Tisch- und Wohnaccessoires  sowie vollautomatische Kaffeemaschinen für den privaten und gewerblichen Bereich. Zur Gruppe gehören auch die Marken Auerhahn, Alfi, Kaiser und Silit.

Der Konzern beschäftigt bundesweit 4.200 Mitarbeiter und 1.700 im Ausland. Umsatz 2006: 732 Millionen Euro. 46 Prozent entfallen auf den Export, Tendenz steigend.

www.wmf.de

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