Industrie-Zulieferer

Die Aerzener Maschinenfabrik ist seit 150 Jahren ein Spezialist für komprimierte Gase

Aerzen. Die beiden Orte könnten unterschiedlicher nicht sein: eine Kläranlage, wo in einer braun-schwarzen Brühe blubbernd Luftblasen hochsteigen, und eine wunderbar duftende Kaffeerösterei, wo grüne Kaffeebohnen aus einem Silo in den Ofen und von da weiter zur Abfüllstation rauschen. Was beide Orte verbindet, ist – Luft!

„Mit ihr kann man Erstaunliches anfangen“, sagt Klaus-Hasso Heller. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Aerzener Maschinenfabrik GmbH, eines weltweit führenden Anbieters von Drehkolben- und Turbogebläsen sowie Schrauben- und Drehkolbenverdichtern. Sie bilden das Herzstück verschiedenster Industrie-Prozesse.

So werden „Belebungsbecken“ in Kläranlagen exakt so belüftet, dass sich Bakterien im richtigen Maße vermehren und verschmutztes Wasser optimal reinigen. In der Kaffeerösterei lässt verdichtete Luft die empfindlichen Bohnen schnell und schonend durch die Leitungen strömen. Oder sie ist eine günstige und saubere Alternative zum Förderband: „Luft ist ein äußerst einfaches und zuverlässiges Medium“, sagt Firmenchef Heller, „um etwa Schüttgüter über Rohrleitungen zu transportieren.“

Mit 85 Prozent Exportquote immer noch ein klassisches Familienunternehmen

Das gilt für Getreide oder Kakaobohnen ebenso wie für Kunststoffgranulate, Pigmente oder Pellets. Die Drehkolbengebläse aus Aerzen (Landkreis Hameln-Pyrmont) finden sich auch in Kohlekraftwerken: Sie blasen vorn die Kohle in die Brennkammer und hinten die Asche hinaus.

Nicht nur Luft wird mit den Gebläsen und Verdichtern des Unternehmens bewegt, sondern zum Beispiel auch Kühlmittel. „Was sich bei jedem Heimkühlschrank in Klein findet“, so Heller, „machen wir in riesigen Leistungsbereichen.“ In großen Kühlhäusern, in Klimaanlagen von Hochhäusern etwa in den arabischen Ländern oder auch auf Kreuzfahrtschiffen.

„Leider kriegt der Normalmensch unsere Maschinen nicht zu sehen“, sagt Heller mit einem Augenzwinkern. „Sie arbeiten ja im Verborgenen.“ Gleichwohl ist der Name Aerzen in vielen Teilen der Welt unter Fachleuten ein Begriff, schon lange: Die Firma wurde diesen Monat 150 Jahre alt.

Sie beschäftigt gut 1.900 Mitarbeiter, davon 1.300 in der Region Aerzen, hat inzwischen eine Exportquote von 85 Prozent und 40 Niederlassungen. Und ist doch nach wie vor ein klassisches Familienunternehmen. Klaus-Hasso Heller führt es seit dem Jahr 2000 in nunmehr vierter Generation, nachdem sein Urgroßvater 1907 die Firma übernahm. „Wir können anders planen als manch börsennotiertes Unternehmen“, sagt der Geschäftsführer. Der längere finanzielle Atem „verschafft uns viele Vorteile im Wettbewerb“.

Die Maschinen, die Aerzen stetig neu und weiterentwickelt, reichen vom Gebläse im Handtaschenformat, das um die 500 Euro kostet, bis zum 60 Tonnen schweren und 3,5 Millionen Euro teuren Schraubenverdichter-Aggregat.

Ein großes Thema ist Energieeffizienz. So vereint die neue Serie „Delta Hybrid“ laut Heller die Vorteile von Drehkolbengebläsen und Schraubenverdichtern und eröffnet neue Möglichkeiten in der Erzeugung von Unter- und Überdruck. „Sie liegt mit sieben bewilligten oder angemeldeten Patenten im Innovationswettbewerb der Kompressor-Technologie ganz vorn.“


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