Damit Kollegen sich noch besser verstehen

Deutschunterricht nach Schicht-Ende: Ein besonderes Angebot der Firma Teckentrup

Verl. Nach einem langen Tag an den Maschinen die Schulbank drücken? Das ist nicht ohne. Aber sie tun es gerne, diese Mitarbeiter des Tür- und Torproduzenten Teckentrup: der gebürtige Russe Sergey Schlapnikov etwa, Samson Osagie aus Nigeria oder Ciprian Luciu aus Rumänien. Sie nutzen die besondere Chance, die ihnen die Firma im westfälischen Verl gibt – die Chance, ihr Deutsch zu verbessern.

Der Betrieb bietet Deutschkurse für Beschäftigte, die gute Arbeit abliefern, aber Schwierigkeiten mit der Sprache haben. Mitarbeiter aus fremden Kulturen sind für Teckentrup nichts Neues: „Wir haben in der Region schon immer einen hohen Anteil von Menschen internationaler Herkunft“, erklärt Fertigungsleiter Torsten Welschoff. Und Vorarbeiter Christoph Koppers erinnert sich: „Als ich vor 30 Jahren angefangen habe, hatten wir schon viele ausländische Kollegen.“

Kursteilnehmer Schlapnikov ist seit zwei Jahren dabei. Zunächst kam der Russe als Zeitarbeiter. Und konnte dann bleiben, als Maschinenbediener im Metallzuschnitt. „Er hat von Anfang an sehr gute Leistungen gezeigt – gründlich, schnell und immer hilfsbereit“, sagt Vorarbeiter Koppers. Nur mit der Sprache klappte es nicht so. „Ich habe ihn oft gefragt: ,Verstehst du mich?‘ – ,Nicht ganz, aber 80 Prozent‘, war seine Antwort.“

Schlapnikov hat daher stets ein Wörterbuch dabei: „Dann kann ich nachsehen, wenn mir ein Begriff fehlt“, sagt er. Er will lernen, möglichst schnell, wie Kursleiterin Rebecca Schüler bestätigt. „Herr Schlapnikov hat immer ganz viele Fragen, ist sehr neugierig, das macht es für mich als Deutschlehrerin einfach.“

Lautes Gelächter in der Fertigung: Schlapnikov und ein Kollege scherzen – auf Russisch. Doch es geht ja auch gar nicht darum, dass im 850-Mann-Betrieb immer alle überall deutsch sprechen. Geschäftsführer Kai Teckentrup möchte mit dem Kurs (Teil des betrieblichen „Diversity Managements“) Effizienz und Arbeitssicherheit steigern. Etwa dadurch, dass Missverständnisse seltener werden, wenn sich Kollegen besser verstehen.

Es geht nicht nur um Wortschatz und Grammatik

Bevor es die Sprachkurse gab, waren Mitarbeiter ausländischer Herkunft vor allem unter sich geblieben, in den Pausen etwa. Die Ursache: fehlende Deutschkenntnisse. Zusammen mit einem Kursanbieter entwickelte man daher ein bedarfsgerechtes Angebot.

Und in der Praxis geht es dann ja nicht nur um den Wortschatz, wie Lehrerin Schüler erklärt: „Wir lernen neben Grundlagen zwar vor allem auf die Arbeitsbereiche bezogenes Deutsch. Aber natürlich ist auch die deutsche Kultur immer wieder Thema – zum Beispiel, welchen Stellenwert Pünktlichkeit hat.“

Damit haben ihre Schüler kein Problem – gleich nach Schichtende sind schon alle da. Und Schlapnikov zückt sein Wörterbuch. „Ich bin froh, dass ich hier bin“, sagt er, „ich will nichts anderes machen.“


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