Bierdeckel für die ganze Welt

Deutsche Katz-Gruppe deckt 60 Prozent des globalen Bedarfs an Papp-Untersetzern

Weisenbach. Das runde Ding hat Konjunktur während der WM: In den Kneipen steigt der Bierdeckel-Bedarf, wenn die durstigen Fußball-Gucker kommen. Produziert werden die Untersetzer aber nicht, wie sicher viele denken, in Schwellenländern mit Niedriglöhnen – sondern im Schwarzwald. Die Katz-Gruppe in Weisenbach bei Karlsruhe stellt drei Milliarden Stück im Jahr her und liefert sie in alle Welt. Für die Abnehmer, vor allem Brauereien, kostet so eine bunte Pappscheibe nur wenige Cent.

Die Bierdeckel aus dem 2.500-Seelen-Dorf werden auf allen Kontinenten genutzt, in 45 Ländern. Rund 60 Prozent aller Untersetzer weltweit kommen von Katz. In den USA, einem der wichtigsten Absatzgebiete, liegt der Marktanteil über 90 Prozent. Zwar betreibt das Unternehmen dort zwei Werke, in denen Bierdeckel gedruckt und gestanzt werden. Die Pappe dafür wird allerdings ausschließlich im Schwarzwald produziert.

Holzfasern, Wasser und Stärke sind die einzigen Zutaten

Warum der Mittelständler mit lediglich 170 Mitarbeitern am Stammsitz den Markt so beherrscht, verrät Daniel Bitton: „Nur wir haben die nötige Erfahrung“, so der Geschäftsführer. Schon 1903 hat Katz mit der Produktion begonnen – ursprünglich, um Abfälle aus dem Katz-Sägewerk zu verwerten. Heute liefern Lkws das Holz in zwei Meter langen Stämmen an. Die werden entrindet und dann in einer Holzschleifmaschine zerkleinert.

Die Maschine, die aus den 60er-Jahren stammt, trägt dazu bei, dass Katz vor Nachahmern geschützt ist. „So etwas können sie nicht einfach neu aufbauen“, sagt Bitton. Es würde viel zu lange dauern, bis sich die Investition auszahlt.“

Aber auch das Know-how der Mitarbeiter sichert den Titel als Weltmarktführer. „Holzschliffpappe kann nicht jeder, schon gar nicht in unserer Qualität“, betont Bitton. Die Mischung aus Holzschliff, Wasser und Stärke als natürlichem Leim muss genau stimmen.

Doch selbst Weltmarktführer können in Bedrängnis kommen. Im Jahr 2009 war die Katz-Gruppe pleite, infolge der Wirtschaftskrise und wegen unternehmerischer Fehler. Mittlerweile gehört Katz zum Papierhersteller Koehler, einem Familien-Unternehmen aus der Umgebung. Und es läuft wieder rund, nicht nur im Bierdeckel-Geschäft: Bitton, der 2009 als Sanierer gekommen ist, will Material aus Holzschliff auch anderweitig verkaufen, etwa zur Herstellung von Display-Boards; das sind Werbetafeln, wie sie im Einzelhandel eingesetzt werden. Und als Trittschalldämmung unter Laminat oder Parkett.

Und nicht zuletzt hat es Bitton geschafft, den Bierdeckel bei Katz wieder rentabel zu machen, mit aufwendiger Gestaltung und professionellem Marketing. „Wir verkaufen weniger als früher, machen damit aber mehr Umsatz“, sagt der Chef stolz.


Mehr zum Thema:

Zehn Mythen und Wahrheiten rund ums Bier

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang