RFID-Chips

Detektiv im Etikett


Deutsches Mode-Unternehmen setzt auf auswaschbaren Diebstahl-Schutz

Halle (Westfalen). Die elektronische Wegfahrsperre Ihres Autos hat ihn. Der Ski-Pass, der in Ihrer Jackentasche gelesen wird, hat ihn. Und vielleicht hat ihn Ihr Hund am Ohr? Die Rede ist von einem kleinen Datenträger namens RFID-Chip, der eine äußerst praktische Eigenschaft hat: Er gibt seinen Inhalt preis, ohne dass er dafür gesehen oder berührt werden muss. Jetzt werden die schlauen Teile auf neue Weise aktiv. Eine große Bekleidungsfirma setzt auf einen Chip im eingenähten Etikett – unter anderem zum Schutz gegen Ladendiebe.

Der westfälische Damenmode-Hersteller Gerry Weber will die Technik bald entlang seiner kompletten Wertschöpfungskette nutzen: von der Produktion etwa in Asien bis hin zum Endverbraucher.

Information spart Arbeit

Was das heißt, erklärt Gerry Webers IT-Chef Christian von Grone: „Wir wissen zu jeder Zeit, wo jeder einzelne unserer etwa 25 Millionen Artikel ist – und das weltweit.“

So wird nicht nur Schwund verhindert, sondern vor allem immens Zeit gespart: „Früher musste ein Mitarbeiter für die Aufnahme des Warenbestandes in einer unserer 180 Filialen zwei Tage durch den Laden robben – heute schafft er diese Arbeit in wenigen Minuten.“

Denn auf dem Chip ist der „elektronische Produktcode“ gespeichert. Der enthält nicht nur den klassischen Barcode, dessen schwarz-weiße Strichfolge auf vielen Produkten zu finden ist, sondern auch eine fortlaufende Seriennummer: Jedes einzelne Produkt ist damit eindeutig erkennbar.

Spezielle Antennen an der Decke versorgen den Chip mit Energie, aktivieren ihn so und lesen ihn aus. Empfangen werden Informationen etwa über die Farbe eines Pullis, über Größe, Schnitt und Modell, das Herstellungsdatum – und den empfohlenen Preis.

Die Modefirma sieht sich nicht als Einzelkämpfer. Gemeinsam mit Unternehmen wie Daimler und SAP beteiligte sich Gerry Weber am Forschungsprojekt „Ko-RFID“. Die Westfalen mischen auch in Arbeitsgruppen von GS1 mit, dem Hüter des Barcodes und anderer Standards.

Für von Grone ist klar: „Es müssen unglaublich viele Firmen mitspielen, um zu einheitlichen Standards und Schnittstellen zu gelangen.“

Antenne am Ausgang

Im konkreten Fall war zum Beispiel die Deutsche Telekom dabei. Sie entwickelte eine spezielle Funk-Antenne für die Warensicherung am Ausgang: Wird ein Kleidungsstück gestohlen, also nicht korrekt an der Kasse ausgebucht, schlägt das System Alarm.

Label-Spezialist Avery Dennison entwickelte das textile Etikett, das den Chip in sich trägt. Und Logistik-Partner wie etwa DHL mussten sich einstellen auf die neue Technik, die Gerry Weber auf Dauer viel Geld sparen soll. Immerhin nimmt die Modefirma 2,7 Millionen Euro für die Umrüstung in die Hand.

Hat Otto Normalverbraucher auch etwas davon? „Auf jeden Fall“, sagt von Grone, „der Kunde findet, was er sucht – denn wir können nun noch besser in allen Läden alle Artikel verfügbar halten.“ Und fehlerhafte Warensicherungen, die im nächsten Geschäft gerne mal zum Verdruss aller Beteiligten lospiepsen – die seien mit Sicherheit Schnee von gestern.

Noch Zukunftsmusik ist der schlaue Spiegel in der Umkleidekabine: Er könnte auf Basis der Chip-Daten nützliche Informationen etwa über andere verfügbare Farben und Größen liefern. Und der Datenschutz? Den hält Gerry Weber laut von Grone hoch: Personenbezogene Daten werden nicht gespeichert, die Chips werden an der Kasse deaktiviert –  und nach spätestens dreimaligem Waschen sind sie sowieso zerstört.

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