Der harte Kampf um die Spitze

Deshalb stehen sogar Weltmarktführer vor immer neuen Herausforderungen


Ilshofen/Schwäbisch Hall. Eine Produktionshalle im Hohenlohekreis: Hier und da schnurren Maschinen im Testlauf, Mitarbeiter drehen an den Schrauben. Diese Anlagen von Bausch + Ströbel aus Ilshofen werden später Arzneimittel verpacken, überall auf dem Globus. Seine Weltmarktführerschaft hat dem Maschinenbauer enormes Wachstum ermöglicht. Stolz zeigt Marketingleiter Gustav Nesemann in die nagelneue Halle: „Wir haben hier 1.200 Tonnen Stahl verbaut.“

Im Südwesten gibt es die meisten Exportriesen

Wie Bausch + Ströbel hat fast ein Drittel der auslandsaktiven Betriebe Baden-Württembergs letztes Jahr am Heimatstandort Personal aufgestockt, ergab eine Umfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK). Doch selbst die Exportbetriebe, die in ihren Bereichen zu den drei umsatzstärksten der Welt zählen („Weltmarktführer“), können sich auf ihren Erfolgen nicht ausruhen. Auf dem Kongress der Weltmarktführer, der jetzt zum dritten Mal in Schwäbisch Hall stattfand, tauschten sie sich vor allem über Risiken und Herausforderungen aus.

Baden-Württemberg ist das Bundesland mit den meisten Weltmarktführern: 401 hat Professor Bernd Venohr hier gezählt. „Deutschlandweit sind es 1.541“, sagt der Unternehmensberater aus München und Mitveranstalter des Kongresses. Auf ähnliche Zahlen kommen andere Forscher, etwa bei der Weissman Gruppe, die Familienbetriebe berät und im Internet eine Weltmarktführer-Plattform betreibt.

46 Prozent aller Waren aus dem Ländle werden exportiert

Venohr hat herausgefunden: „Die Insolvenzrate ist bei Weltmarktführern genauso hoch wie bei anderen Unternehmen.“ Ihnen könne etwa ihre Abhängigkeit von einem Marktsegment gefährlich werden. Oder Unstimmigkeiten in der Familie – immerhin 70 Prozent der Weltmarktführer sind Familienbetriebe.

Ein wachsendes Problem sind Handelsbarrieren. 40 Prozent der hiesigen Exportbetriebe klagten in der IHK-Umfrage darüber. Hinderlich sind nicht nur Zölle und Subventionen, sondern auch andere Vorschriften. Beispiel: Wer Güter in Argentinien einführen will, muss Waren im gleichen Wert von dort ausführen. Die Zahl solcher indirekter Handelshemmnisse hat sich nach Berechnungen der EU-Kommission in vier Jahren mehr als versechsfacht, auf 534.

Auch die Bürokratie führt zu Schwierigkeiten. Bausch + Ströbel-Serviceleiter Manfred Ziegler kann ein Lied davon singen. „Im letzten Jahr kamen bei uns 8.000 Reisetage zusammen“, veranschaulicht er. Und seufzt: „Oft ist es schon schwer, für unsere Leute im Ausland die Arbeitserlaubnis zu bekommen.“

Nach China zu liefern, ist ein Muss

Außerdem müssen die Unternehmen China im Blick haben, sowohl die dortige Konkurrenz als auch den Absatzmarkt. Corinne Abele von Germany Trade & Invest, der Gesellschaft der Bundesrepublik für Außenwirtschaft, machte bei dem Kongress deutlich: „An der Spitze kann nur bleiben, wem es gelingt, erfolgreich am chinesischen Markt teilzuhaben.“

Wie Bausch + Ströbel. Die Maschinen aus Ilshofen stehen in 100 Ländern. Die globale Nachfrage hat in 45 Jahren aus einem Vier-Mann-Betrieb einen Mittelständler mit 1.020 Beschäftigten gemacht. Zuletzt sind 13.000 Quadratmeter Büro- und Produktionsflächen dazugekommen.

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