Welthandel

Der Verfall der Blechboxen


Frachtraten bei Containern so niedrig wie nie

Bremen/Hannover. Autos, Maschinen, Stereo-Anlagen, Textilien, Rohstoffe – alles wird rund um den Globus transportiert. Aber: „In diesem Jahr bricht der Welthandel im Vergleich zu 2008 um 9 Prozent ein“, schätzt die Welthandels­organisation WTO.

Im letzten Jahr waren es noch 16 Billionen Dollar, das sind umgerechnet fast 12 Billionen Euro. 12.000.000.000.000 – eine Zahl, die dem Wert von 48 Mil­lionen Einfamilienhäusern zu je 250.000 Euro entspricht.

Deutsche Seehäfen haben Probleme

 

Rund 2500 Containerschiffe schippern über die Meere, sie bewältigen fast 90 Prozent des Frachtverkehrs zwischen  Europa, Asien und den USA.

 Platz für die Fracht vermieten – das war bisher ein lu­kra­tives Ge­schäft. „Der Transport eines Containers von Europa nach Asien kostet normal 2.500 Dollar“, sagt Detthold Aden, Chef des Bremer Logis­tikers BLG. „Heute liegt die Frachtrate für eine Blechbox bei nur noch 250  bis 300 Dollar.“

 

Wird weniger verkauft und gekauft, hat das dramatische Folgen. In den Bremer Seehäfen droht eine Entlassungswelle. Bis zum Jahresende könnten 1.400 Ar­beiter des Gesamthafenbetriebsvereins (GHB) ihren Job verlieren. GHB-Geschäftsführer Hubertus Ritzke: „200 Zeitverträge sind bereits ausgelaufen.“ Im Hamburger Hafen wird kurzgearbeitet, die 1.100 Mitarbeiter müssen Einkommenseinbußen hinnehmen.

 

 

Deutsche Werften stoppen den Bau neuer Containerschiffe, weil die Banken die Finanzierung nicht mehr tragen. Die Krise greift um sich. Immerhin arbeiten auf den 60 Werften in der Republik 23.000 Menschen, weitere 70.000 sind in den Zu­liefer-Industrien beschäftigt.

Aber wie das immer so ist: Jede Medaille hat zwei Seiten. Und so gibt es in Deutschland einen Unternehmer, der sich ob der sinkenden Frachtraten ins Fäustchen lacht.

 

Korea setzt auf deutsche Hygiene

Hassan Andre Kaboni, Ge­schäftsführer der GreenCare Deutschland GmbH in Hannover (21 Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende), bekam vor einiger Zeit Besuch von Einkäufern aus Ko­rea. Erstens hat die deutsche Chemie in Asien einen guten Ruf und zweitens wird die Qualität der Artikel rund um die Toiletten-Hygiene auch in Ko­rea gerühmt.

Weil die Schiffe zwar voll aus Korea hier ankommen, aber so gut wie leer wieder zurückfahren, sind die Frachtraten für Kaboni niedrig. Daher  rechnet sich das Geschäft. GreenCare  verkauft tonnenweise Klo-Steine, die in Urinale gelegt werden, nach Korea.

„Ein Container randvoll mit unseren Beckensteinen von  Hamburg in die koreanische Hafenstadt Pusan – das kostet heute allerhöchstens 350 Dollar“, freut sich Kaboni. „Bei 2.500 Dollar wäre das Geschäft schwierig.“ Zum Vergleich: Der Lkw-Spediteur berechnet für die Strecke von Hannover nach Hamburg bereits 750 Euro.  

Werner Fricke/Giesbert Wiegel

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